lyrische formen von a bis z. heute: a wie abendlied

beginnen wir mit unserer ersten lyrischen form, dem abendlied. es ist eine schöne ergänzung oder vielleicht auch ein guter gegensatz zu beths aubade/morgenlied, die sie an den beginn ihres lyrischen formenzyklus gesetzt hat. das abendlied beendet den tag, feiert den beginn des abends und der nacht und lässt zur ruhe kommen, was zuvor noch umtriebig war.

die themen können dabei natürlich von der natur und der einsetzenden dämmerung gehen, über ein dankeschön für den tag, für das leben, ein segen für die nacht (damit religiöse klänge) und bis zu analogien des abends dieses tages mit dem abend des lebens.

häufig wurden abendlieder vertont, was vermutlich bereits in dem zusatz lied anklingt. wiegenlieder, sanfte weisen, beruhigung mit klängen und harmonie – ich denke, wir können das alle gut nachempfinden und sogar beim schreiben am frühen morgen merke ich, wie sich das gefühl eines eintretenden abends zu mir gesellt.

welche gedichte, ob vertont oder nicht, reihen sich nun unter die abendlieder ein? da ist das bekannteste von matthias claudius aus dem 18. jahrhundert: „der mond ist aufgegangen“. es wurde sage und schreibe mehr als 70 mal vertont! auch herbert grönemeyer befindet sich unter den interpreten.

natürlich ist auch goethes „wandrers nachtlied“ ein begriff. aus jüngerer zeit ist georg trakls „abendlied“ ein gutes beispiel oder das von wolfgang borchert. sehr bewegend auch das abendlied von subway to sally, vertont hier oder als liedtext hier. da klingen aus unserer zeit natürlich auch ganz andere zwischentöne an.

im gegensatz dazu ist die aubade oder das morgenlied natürlich geprägt durch den aufbruch, den start in etwas neues. aus der nacht kommend liegt das helle in ihm.

nach dieser kleinen ausführung zum abendlied und dem mini-exkurs zur aubade heißt es nun für mich, die nächsten zwei wochen zu nutzen und zu dichten. vielleicht schaffe ich ein abendlied und ein morgenlied, doch fokus ist das zurruhekommen, in die nacht hinein. und da ich meist aus der nacht heraus in den tag starte und schreibe, bin ich gespannt, was ich mit der eintretenden nacht mir und euch erdichten kann…

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