#frapalymo Impuls für 17. November

Auf die Idee zu diesem Impuls brachte mich der diesjährige Kunstsommer in Irsee und um genau zu sein, eine der ersten Übungen aus der Lyrikwoche bei Jan Wagner. Gut. Zugegeben. So eine Übung hatte ich auch zuvor schon gemacht, aber es war vor allem spannend zu sehen, wie unterschiedlich wir Teilnehmer zu ein und demselben Text dichteten. Und ich bin mir sicher, genau das werden wir beim 17. Gedicht hier auch sehen können

Und so lautet der #frapalymo-Impuls für 17. November: „verdichtet die ersten absätze von andersens mädchen mit den schwefelhölzern“

Richtig gelesen: Nehmt einen Prosatext und macht daraus ein Gedicht (in Irsee war die Basis übrigens ein Zeitungsartikel). Als „Material“ stehen uns die ersten drei Absätze von Andersens Märchen zur Verfügung. Ihr könnt die drei Abschnitte unten lesen.
Verdichtet, kürzt, verfremdet und zeigt uns, wie wunderbar vielfältig so ein Impuls sein kann. Und auch hier gilt: Alles darf. Nichts muss.

Und für die Erprobten das Gewohnte: Gebt mir gerne Bescheid, dann kann ich eure Gedichte mit Link zu eurem Blog retweeten oder eure Seiten hier verlinken. Oder stellt euer Gedicht an dem jeweiligen Tag in das Kommentarfeld unter meinem Gedicht ein (am besten nicht aus einer Word-Datei kopieren, sondern kopiert das Gedicht zunächst in eine leere E-Mail oder in den Editor und dann per copy/paste in das Kommentarfeld,). Kennung über Twitter ist #frapalymo und ich bin @FrauPaulchen.

Christian Andersen
Das kleine Mädchen it den Schwefelhölzern

(aus: Andersens Märchen, Loewe Verlag, 6. Auflage, 1989)
Es war entsetzlich kalt und schneite. Es begann zu dunkeln und Abend zu werden. Es war der letzte Abend im Jahr: Silvesterabend. In dieser Kälte und Dunkelheit ging ein kleines armes Mädchen mit bloßem Kopf und nackten Füßen die Straße entlang. Es hatte freilich Pantoffeln angehabt, als es von zu Hause fortging, aber das waren die seiner verstorbenen Mutter gewesen, und da sie ihm nicht passten, so hatte es sie verloren, als es über die Straße eilte, weil zwei Wagen so schrecklich schnell vorbeifuhren. Der eine Pantoffel war nicht wieder aufzufinden, und mit dem anderen lief ein Junge davon. Er sagte, den könnte er als Wiege gebrauchen, wenn er selber einmal Kinder bekäme.

Da ging nun das kleine Mädchen auf den nackten zierlichen Füßchen, die vor Kälte ganz rot und blau waren. In seiner alten Schürze trug es eine Menge Schwefelhölzer, und einen Bund davon hielt es in der Hand. Den ganzen Tag über hatte ihm niemand etwas abgekauft, und nicht einer hatte ihm auch nur einen Pfennig geschenkt. Hungrig und frierend schleppte es sich weiter und sah ganz bedrückt aus, das arme kleine Mädchen.

Die Schneeflocken fielen auf sein langes blondes Haar, das schön gelockt über seinen Nacken hinabfloss. Aus allen Fenstern strahlte heller Lichterglanz, und auf der Straße roch es so wunderbar nach Gänsebraten. Es war ja Silvesterabend, und daran musste die Kleine denken.

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