Mich fasziniert ja immer Lyrik, die sich beschränkt. Auf einige Silben und Wörter. So wie das Elfchen oder Haikus. Und deshalb vielleicht auch die Präferenz für Kurzgeschichten, Tiny Tales oder Dialoge. Geballte Aussagen. Zumindest der Versuch dazu. Wer Lust hat, Haikus auszuprobieren, kann sie gerne im Kommentar einstellen.
Month: Mai 2010
Haiku: Weg
Wenn der Tag anbricht, geh ich.
Was soll ich noch hier?
Die Zeit des Verschwindens naht.
Haiku: Du
Ich will dich küssen, lieben. Sei mein ganz und gar. Leg dich zu mir. Mein Herz klopft.
Tiny Tale: Kaffeesterben
Mitten zwischen den frisch gerösteten Bohnenbergen lag ein Toter und träumte von seiner letzten Tasse Kaffee. Das gibt es nur bei T...
(Tiny Tale, 134 Zeichen)
Nebellichtung
Morgens um sechs, wenn der Nebel sich am Ufer des Neckars lichtet, das Grün noch saftig und beträufelt vom Morgentau ist. Wenn die Haut leicht fröstelt, weil sich die Sonne noch scheu hinter den Wäldern hält. Wenn die Vögel gerade noch trällern, aber eigentlich schon wieder am Abklingen sind und müde, weil sie um vier Uhr losgelegt haben. Wenn der Tag so ganz langsam und zaghaft Raum gewinnt und nach einer weiteren Nacht Platz einnimmt. Zu dieser Stunde bin ich gerne draußen und unterwegs. Noch ist Ruhe, noch ist der Tag frisch.
Samstag um vier (Kurzgeschichte zum Thema Unschuld)
Eigentlich war es eine blöde Idee. Im Nachhinein betrachtet. Und ich weiß auch gar nicht mehr, wie wir eigentlich darauf gekommen sind. Oder von wem es ausging. Vermutlich von uns beiden. Ja, bestimmt von uns beiden. Einfach weil wir keine Lust mehr hatten, die letzten in unserer Klasse zu sein, die ES noch nicht getan hatten. Die eben gerade keinen Freund und keine Freundin hatten. Gut, ich muss zugeben, ich hatte noch nie einen wirklich festen Freund. Und schon gar keinen, mit dem ich ES hätte tun wollen oder können.
Elfchen: Oliandi
Grüngolden
Fließt dickflüssig
und schmeichelt meinem
Gaumen Verzehre mich nach
Olivenöl
Elfchen: Klar sehen
Wenn
der Nebel
sich lichtet und
das Dunkel von mir
weicht.
Den ersten Schritt
Der erste Schritt ist ja bekanntlich immer der schwierigste. Ich stehe seit Wochen still, lasse gefühlt die Welt an mir vorbeiziehen und kann aber selber keinen Schritt nach vorne tun. Jetzt los, will ich rufen. Mach schon. Beweg deine Zehenspitzen nach oben, hebe den Ballen und dann die Ferse an. Ja, dein Bein schwebt schon in der Luft. Toll gemacht! Und dann ist es einfach wieder abgesunken. Wrumms. Wieder stand es da. Stand ich da.