Nebellichtung

Morgens um sechs, wenn der Nebel sich am Ufer des Neckars lichtet, das Grün noch saftig und beträufelt vom Morgentau ist. Wenn die Haut leicht fröstelt, weil sich die Sonne noch scheu hinter den Wäldern hält. Wenn die Vögel gerade noch trällern, aber eigentlich schon wieder am Abklingen sind und müde, weil sie um vier Uhr losgelegt haben. Wenn der Tag so ganz langsam und zaghaft Raum gewinnt und nach einer weiteren Nacht Platz einnimmt. Zu dieser Stunde bin ich gerne draußen und unterwegs. Noch ist Ruhe, noch ist der Tag frisch.

Samstag um vier (Kurzgeschichte zum Thema Unschuld)

Eigentlich war es eine blöde Idee. Im Nachhinein betrachtet. Und ich weiß auch gar nicht mehr, wie wir eigentlich darauf gekommen sind. Oder von wem es ausging. Vermutlich von uns beiden. Ja, bestimmt von uns beiden. Einfach weil wir keine Lust mehr hatten, die letzten in unserer Klasse zu sein, die ES noch nicht getan hatten. Die eben gerade keinen Freund und keine Freundin hatten. Gut, ich muss zugeben, ich hatte noch nie einen wirklich festen Freund. Und schon gar keinen, mit dem ich ES hätte tun wollen oder können.

Den ersten Schritt

Der erste Schritt ist ja bekanntlich immer der schwierigste. Ich stehe seit Wochen still, lasse gefühlt die Welt an mir vorbeiziehen und kann aber selber keinen Schritt nach vorne tun. Jetzt los, will ich rufen. Mach schon. Beweg deine Zehenspitzen nach oben, hebe den Ballen und dann die Ferse an. Ja, dein Bein schwebt schon in der Luft. Toll gemacht! Und dann ist es einfach wieder abgesunken. Wrumms. Wieder stand es da. Stand ich da.