Am Morgen

Du wachst auf, stehst auf, ziehst dich an. Nein, vorher noch unter die Dusche. Etwas Wasser auf deinen geplagten Körper. Schlechte Träume in der Nacht. Denkst du. Versuchen, mit Wasser wegzuspülen. Wasser ins Gesicht. Plitschplatsch. Dann etwas Seife. Nur so, für den Duft. Und weil man es tut. Du tust häufig Sachen, weil man es tut. Wie Seife. Tut man. Also auch du. Und weil du es brauchst. Riechst schlecht. Aber du tust es, weil man es tut. Tun, weil tun, nicht weil brauchen. Brauchen wäre aber richtiger. Raus aus der Dusche, abtrocknen. Abrubbeln. Wieder versuchen, Traum wegzureiben. Geht nicht. Jetzt anziehen. Mit dem Kamm durch die Haare. Sitzt die Erinnerung dort fest? Etwas Gel hinein, damit sie gut fallen. Fallen, aber nicht ausfallen. Die Wurzel ist der Ursprung allen Übels. Ergebnis Haare: mäßig. Dann Deo. Auch Deo tut man. Deo unter die Achseln. Ah, Axe. Der Duft für den Mann. Werbung, die im Kopf bleibt. Dein Deo ist kein Axe. Überhaupt keine Marke. Egal. Trotzdem Deo sprühen. Ergebnis Deo: auch mäßig. Dann deinem Spiegelbild ein Lächeln schenken. Tut man nicht. Tust aber du. Tun. Etwas gezwungen. Falten lächeln zurück. Ab in die Küche. Kaffee. Wasser einfüllen. Kaffeepulver löffeln. Alles zusammen gut durchmischen. Kaffee. Ganz ohne. Ganz ohne Milch und Zucker. Einfach nur so. Schluck für Schluck. Hinein in den Magen. Die Nacht hinunterschlucken. Vergessen. Vergeben und vergessen? Erstmal nur vergessen. Versuchen. Vergessen versuchen. Mit jedem Schluck. Dann Brötchen. Ein halbes Brötchen vom Vormittag. Angeknackst und erstarrt in der Vernachlässigung. Beisst rein. Ganz schön knusprig. Noch etwas Butter drauf, dann geht es besser runter. Speise in die Röhre. Ab in den Magen. Verdaut dort. Mit der Erinnerung. Brötchen geht schneller in den Darm. Du kannst eine Nacht nicht einfach wieder rausscheißen. Nicht so wie das Brötchen. Schluckst trotzdem. Schluckst runter und spülst nach. Überlegst kurz. Tut man noch Sachen tun, die du nun tun könntest? Nein. Alles normal. Wie immer. Wie jeden Morgen. Denkst du. Und schaust trotzdem kurz auf die Schlafzimmertür. Lieber nicht. Nicht mehr hinein. Lieber gehen. Jetzt Aktentasche packen und gehen. Tust du. Packst und gehst. Auf dem Weg in dein weiteres normales Leben. Versuchst zu vergessen. Schon wieder. Immer noch. In einem anderen Teil der Stadt lebt die Erinnerung. Sie steht auf, zieht sich an. Keine Dusche. Kein Deo. Erinnerungen brauchen keinen Duft. Setzen ihre eigene Marke. Sie isst nicht, trinkt nicht. Schaut sich im Spiegel an. Sieht sich. Sieht dich. Und deine Fäuste in ihrem Gesicht. Und vergisst nicht. Und vergisst nicht.

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