#frapalymo 20nov17: und lässt es

und lässt es

das nichts ist mehr als das nichts
wenn das nichts nichts ist ist es

sprachen die finger
und reckten sich nach sonne

stummschweigen ist besser
als redlichsprechen meint herz der kopf
widerspricht wortlos seht
seht
das gebahren dieses
bündels haut in dem ein mensch steckt

man meinte man müsste
und lässt es

 

das ist gedicht no. 20 von frau paulchen für den #frapalymo, und der impuls lautete: „wenn der körper eine stummheit ist“ – mit dank an @frauhasenherz für dieses kleinod! ich bin mir sicher, heute wird es dazu kleinod-gedichte geben!

30 tage, 30 gedichte, no excuses: wer beim #frapalymo mitmachen mag, kann dies entweder für sich tun und die impulse für die eigene schreibstube nutzen. oder im unten stehenden kommentarfeld seinen blog/webseite verlinken. oder das gedicht selbst über das kommentarfeld hochladen. oder auch einfach sonst einen kommentar hinterlassen. ähnlich über twitter mit link und kennung #frapalymo und @fraupaulchen

61 thoughts on “#frapalymo 20nov17: und lässt es

  1. Als erstes versagte ein Finger der rechten Hand
    dann der gesamte rechte Arm
    gefolgt vom linken
    bewegungslos
    darauf die Beine
    aus allen Muskeln wich die Kraft
    schlagartig
    brach er zusammen stand nie wieder auf
    sein Geist fortan gefangen
    im eigenen Körper
    locked-in forever
    in einem medizinischen Hochsicherheitstrakt
    sein Gehirn spricht Bände
    die keiner lesen kann

  2. carpe diem

    erst erzählen sie noch
    vom leben vom tod
    im elend im schmerz
    oder im frieden
    mit sich –
    und dann werden sie
    der ewigen stummheit
    anheimgegeben

    ja – irgendwann sind
    wir übrigen ebenfalls
    stumm

  3. Jutta@GEDANKENTaenze says:

    Berührungen
    erzeugten Alpträume bei ihr
    Als sie erwachte
    und sie sprechen wollte
    Es durfte keiner wissen
    Und sie schwieg um „Familie“ zu erhalten
    versteckte ihre Worte hinter Lachen
    Vergrub ihre Erinnerungen hinter
    einem ganz normalen Leben
    Keiner sah die Schatten
    auf ihrer Seele
    bis der Körper das Notsignal zog
    und Worte ihren Weg fanden
    In ein neue Zukunft

  4. Gerda Steger says:

    gelähmte Zeit

    wenn dein Himmel bricht,
    Gedankenmesser dich zerstückeln,
    erstarrt der Blick er-
    stickt das Wort im Atem:

    Lichtsturz zeit-
    fremd der Geist gefesselt auch
    die Seele ohne Leben wenn
    der Himmel fällt,
    der Körper Stummheit schreit

  5. von @katkaesk:

    Drosselnde Handgelenke
    und dein Herz
    dass wie wild
    auf meiner Brust
    anklopft und rein will
    deine Augen sind Milchglas
    sie flirren vor Untergang
    deine Hände erschaudern
    Ich bin ein neues Buch
    ein neues Kapitel
    du beschreibst mich mit
    deiner Haut.
    Unstumme Körper

  6. @MaremmaUrlaub says:

    Keiner sagt es
    Keine erlösenden Worte
    die Körper wie gelähmt
    die Blicke voller Sand
    Wut und Trauer und Entsetzen
    ein junges Leben ausgelöscht
    Unverständnis nur bleibt stumm zurück

  7. Moment, ewig

    Deine eingebettete Stummheit
    täuscht
    Unter dem Laken ruht
    ein ganzes Leben
    Ich lege mein Ohr an deine Brust
    lausche in dich hinein
    lerne deine Melodie
    ich singe dich ganz sacht
    an deine Anfänge
    bis deine Augen einstimmen

    sargantanasal.com/2017/11/20/moment-ewig/

  8. In der äußersten Ecke
    des Bettes
    zusammengekauert
    hoch über den Spielsachen
    deren Lärmen und Lachen
    sie nicht erreicht
    Hinter zusammengepressten
    Lippen kein Laut,
    nur Signal
    von über dem Kopf
    verschränkten Händen.
    Waidwunde Augen
    längst ohne Tränen.

  9. von @tauscher57:

    Die Stummheit täuscht nur vor
    was in dir verborgen liegt

    lass raus was dich bewegt
    lass raus was in dir schlummert

    dein Körper und Geist wird es danken
    dein Seelenglück kehrt auch zurück

    hab Mut die Stummheit zu besiegen
    und lass dich nicht unterkriegen.

  10. roteFrau says:

    ‪sprich Körper,unter der Maske aus Konsum und „dasisthaltso“,zucke nicht Schultern,nicken gilt nicht… ich wills nicht gewesen sein

  11. yumami says:

    er tat ihr gewalt an
    bis sie reglos
    am boden lag
    und ihre stimme
    verstummte

    sie lebt weiter
    innerlich gestorben
    ihr körper eine wortlose
    anklage die niemand
    hören will

  12. Andrea says:

    Fremdkörper

    Wenn der Körper kein Körper ist
    sondern Kriegsschauplatz

    Wenn der Körper kein Körper ist
    sondern Hülle, die den Schmerz zusammenhält

    Wenn der Körper kein Körper ist
    sondern Schatten in einer Geisterlegion

    Überleben ist
    das lauteste Schweigen

  13. @philosophina says:

    die Linien klar umrissen
    fein säuberlich getrennt
    das Innen außen die Welt nicht kennt

    von draußen betrachtet
    ein stummes Erleben
    ein Geheimnis nie preisgegeben

    nichts dringt heraus
    die Starre Hülle hält
    fest und fein verwoben

    doch irgendwann wird die kleine Welt
    mittendrin ein kleines Stück
    nach draußen geschoben

  14. lose_gedanken says:

    Die lauteste Stille ist
    in dir, nur in dir.
    Nichts davon dringt
    ins Äußere.
    Gelegentliches Aufblitzen
    von Traurigkeit in
    den Augen.
    Ach, es ist nichts.
    – nur ein novembriger
    Wimpernschlag.
    Wie fest doch die
    Jalousien der alltäglichen
    Plattitüden schließen.

    (Text/Bild auch auf Twitter…)

  15. yumami says:

    ich bin so traurig berührt von euren Gedichten,
    daß ich noch etwas hinzufügen möchte …

    * * *

    vielleicht …
    verstehen wir nur nicht
    die sprache eines körpers
    der sich beugt
    um nicht zu brechen

    lerne der stummheit zu lauschen !

  16. Stephanie says:

    Ich bin so tief berührt von den vielen unglaublichen und besonderen, einfühlsamen und wunderbar verdichteten Texten heute – und danke Euch allen – Gänsehaut…
    und füge meinen Text noch hinzu – heute morgen verfasst beim Walken zur Arbeit…

  17. Stephanie says:

    Devise Schutz

    Stumm geworden
    Früh schon
    Schreie nach innen
    Tränenstarre.

    Der Körper
    Nie wohlig
    Nur Schmerz
    Immer wieder.

    Kein Ausgang – kein Eingang
    Devise Schutz.

    Hoffnungsschimmer
    Wahrheit
    Ausgesprochen.

  18. Das sind viele schwere Worte und Zeilen heute, sehr berührend, tief, voller Trauer und Schmerzen. Es scheint, als schriebe der / die Ein oder Andere auch aus eigenem Erleben…
    Umso schöner wiegt da die Hoffnung, die am Ende einiger Gedichte zu spüren und lesen ist. Habt Dank dafür!

    • yumami says:

      Danke, ihr lieben frapalymoisten,
      daß ihr das so empfinden und ausdrücken könnt.
      Und JA, es gibt auch den Lichtstrahl der Hoffnung !

      Dieser Mut, diese Kraft und dieses Vertrauen waren auch spürbar
      bei meiner traumatherapeutischen Weiterbildung am Wochenende.

      Ich wünsche euch eine Gute Nacht mit sanften Träumen …

      • Sprachlosigkeit erschrickt, weil wir eher an Wortreiches gewöhnt sind. Sprachlosigkeit macht uns schnell betroffen, macht uns selbst sprachlos.
        Auch ich bin heute von diesen vielen so eindringlich umgesetzten Sprachlosigkeiten berührt und schwieg eine Weile.

  19. von @nichterfasst:

    Zitternd
    Sterben Arme
    In taube Adern
    Verschränkt

    Augen verstummen
    In Dunkelheit,
    Wenn Seele erstickt

    Ohren
    Geblendet im Sturm
    Rissiger Stunden

    Herz schreit
    Stimmlose Splitter
    Aus Zeit

    Pein verschweigt
    Den stummen Schweiß
    Falber Haut,
    Verdrängt
    Porentief

  20. für Dich, Frau Paulchen:

    https://2kinderkuechebadbalkon.com/2017/11/21/ein-apfel-in-papier/

    ein Apfel in Papier

    Geräusche mit Klangqualität
    in hyperakusischer Krisis

    wie war das mit den Füßen, Eva?
    war es so?
    hatte Brigitta recht?

    bevor Du die Bühne hattest
    hatten sie die Pinguine und Soldaten
    und dann war da Dein Kleid, Eva

    dann war da Dein Schmerz, Eva

    und dann war die verpuffte Rebellion
    versäuert von Vetternwirtschaft
    bleiernem Sex und der schwere der Erbschaften

    viele Schritte überdecken Papier
    überdecken den Klang des Bisses
    viele Schritte
    in verschiedenen Schuhen schmerzen sie jeden

    wir haben Dich benutzt, Eva
    hast Du das gespürt?
    Philipp und die Zwillinge
    und Brigitta und ihre Assistentin und ich

    Deine Plakate habe ich verteilt
    festeres Papier nach japanischem Vorbild
    Buchhandlungen nahmen sie schon immer gern
    die lieben Schmerz

    Eva, Eva
    das Haus war nicht voll
    aber meine Tränen echt

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