#frapalymo 25nov18: länderperspektive

länderperspektive

ein land kann erinnerung sein ein ziel
beklebte seiten in reisenotizen

ein land kann leben sein eine herkunft
beklebte wände in hauchdünnen seelen

ein land kann zukunft sein ein leben
ein hoffen auf seiten und wände die beklebt werden können

ein land ist nie nur ein land
ein land sind wir
die geben die nehmen die
geben

 

 

das ist gedicht no. 25 von frau paulchen für den #frapalymo, und der impuls lautete „flucht und asyl“ – mit dank an @tauscher57 für den impuls! ganz schön harter tobak, so ein thema. und so notwendig, es auch in der verdichtung zu beleuchten. ich bin mir sicher, dass mir diese beleuchtung nicht besonders geglückt ist. vielleicht als allererster wurf zum abhängen und sich verändern. vielleicht als erste worte, denen weitere worte fehlen vor lauter fragen, kopfschütteln und wundern. vielleicht…

30 tage, 30 gedichte, no excuses: wer beim #frapalymo mitmachen mag, kann dies entweder für sich tun und die impulse für die eigene schreibstube nutzen. oder im unten stehenden kommentarfeld seinen blog/webseite verlinken. oder das gedicht selbst über das kommentarfeld hochladen. oder auch einfach sonst einen kommentar hinterlassen. ähnlich über twitter mit link und kennung #frapalymo und @fraupaulchen

35 thoughts on “#frapalymo 25nov18: länderperspektive

  1. Rona Duwe says:

    Sie steht
    an der Tür
    ihres Hauses.
    Sie hat
    ein Kind im Arm
    eins an
    der Hand.
    Einen Rucksack
    am Rücken,
    den sie
    gepackt hat.
    Heimlich.

    „Leise!“
    sagt sie
    zu den
    verwirrten Kindern.
    Er hat sie eingesperrt.
    Schon wieder.
    Aber sie hat
    einen Schlüssel
    nachmachen können.
    Heimlich.

    Der Rucksack
    ist schwer.
    Die Kinder
    sind ängstlich.
    Er liegt
    direkt hinter
    dieser Wand
    und schläft.
    Sie schleichen hinaus.
    Heimlich.

    Heimlich
    muss sie sein
    im eigenen Heim,
    das die Hölle wurde.
    Privates Kriegsgebiet.
    Kontrolle,
    Freiheitsberaubung,
    Folter,
    Schläge,
    Vergewaltigung.
    Direkt nebenan.
    Hinter perfekten
    Vorgärten,
    Vorhängen,
    dekorierten Türen.

    Asyl und Schutz
    wird sie schwer finden.
    In der eigenen Stadt.
    Im eigenen Land.

    Es blühen Armut,
    Ausgrenzung,
    teure Prozesse,
    ungläubige Fragen,
    „Dazu gehören zwei“,
    „Die armen Kinder“,
    „Aber er ist doch der Vater“,
    Behördengänge,
    kaum Hilfe.

    In einem
    der reichsten Länder
    der Welt
    ist der Schutz
    einer Frau
    vor dem eigenen Mann
    immer noch
    nichts wert.

  2. Evakuierung

    Man wusste es ja:
    die Risse fraßen sich
    immer tiefer in den Beton.
    Unsere Fragen wurden
    mit vorgedrucktem
    Gottvertrauen beantwortet –
    aber der Geldgott
    bewahrte sein Heiligtum nicht:
    eines Tages zerbarst es
    zerstob es
    vor einem freundlichen
    leuchtenden Himmel.

    Leergeräumt sind die Städte
    die Dörfer –
    wir sitzen in Plastikhaut
    millionenfach
    an den Auffangstationen
    und warten
    auf nichts.
    Da sagt jemand:
    man wusste es ja –
    längst hättet ihr
    wegziehen können
    ihr dummen Menschen.

  3. @Maremmafotos says:

    Traum vom schönen Mittelmeer
    glatt und ruhig die Oberfläche
    und doch ein Massengrab
    schon seit Jahren
    aus überfüllten Lagern Krieg Verzweiflung Tod in neuen Tod ?
    gestritten wird gestorben weiter
    Verdrängung herrscht und
    schon seit vielen Jahren

  4. Asylflucht
    eine Welt die Allen gehört
    zu gleichen Teilen
    mit gleichen Rechten
    gleichen Pflichten

    wer flüchtet vor
    wer flüchtet nach
    und wenn warum wozu
    und wer gibt wem Asyl
    mit welchem Recht
    mit welcher Pflicht
    als kleiner Teil
    vom GroßenGanzen

  5. @lose_gedanken says:

    An den Ufern der mittleren Meere
    weinen die Wasser.
    Bitter-salzige Tränen.

    Der Wind flüstert Totengesänge.
    Landeinwärts. Landauswärts.
    Ein schauriges Lied.

    Die Melodien leben fort.
    In jeder Muschel.
    In jedem Blatt.

  6. Gerda Steger says:

    Exil oder Flucht

    Leben hinter vier Wänden
    ohne Atem Luft ohne Fensterblick ent
    fliehen er will nicht
    kann Hände & Füße gefesselt

    sein Leben noch an einen Faden hängt
    er wächst über sich hinaus und
    weiß nicht wohin es
    tröpfelt die Zeit dahin

    seine gefrorene Zeit die letzten Tage
    ein stilllauter Schrei nach Atem
    Freiheit nach Hunger & Licht
    das seine Seele wärmt

    seit tausendundmehr Nächten träumt er
    sich durchs Spinnfadennetz hinaus
    und flüchtet kurz in die Wärme
    in den Duft ihrer Haut

    • seit tausendundmehr Nächten träumt er
      sich durchs Spinnfadennetz hinaus
      und flüchtet kurz in die Wärme
      in den Duft ihrer Haut

      Ich war froh, liebe Gerda, dass diese Zeilen den Abschluss deines heutigen frapalymo bilden. Sie trösten.

  7. yumami says:

    flüchten … wovor ?

    vor der vergangenheit
    in der die ursachen
    tief verwurzelt sind

    vor der gegenwart
    in der ohne wasser und licht
    nichts wachsen kann

    vor der zukunft
    die niemals früchte
    tragen wird

    flüchten … wohin ?

  8. Übersetzt von klugen
    Köpfen, Weisen ihres
    Landes erfuhren sie,
    was In fremder Sprache
    geschrieben stand:

    Die Würde
    des Menschen
    ist unantastbar.
    Ist unantastbar.
    Wie das klang!
    Welcher Zauber
    darin lag!
    Und sie erfuhren
    weiter: Politisch Verfolgte
    genießen Asylrecht.
    So.
    Aber weiter erfuhren sie
    nicht.

    Gefahr war
    ihr täglich Brot,
    das ihr Gott
    ihnen gab.
    Seinem Fingerzeig
    folgend machten
    sie sich auf, verließen
    die vertrauten Gefilde, die
    mit Feuer vom Himmel
    keine Würde mehr
    zuließen, machten sich auf
    auf in ein
    würdevolles Land
    ein Land, das ihnen
    Schutz geben würde.
    Auf einen Weg
    voller Gefahren
    einem Weg mit einer
    Gleichung, die aus
    vielen Unbekannten
    bestand und alle hatten
    ihr nacktes Leben,
    aber keine Mathematik
    im Gepäck, sondern nur
    die Vorfreude auf die Würde
    die ihnen zuteil werden würde.
    Es strahlte weit, das neue Land,
    das wundervolle.
    Es trug sie auf den
    Regenbogenfarben der Hoffnung.

    Hätte nur einer
    ihnen die Komplexität,
    die Auslegungen der
    Folgeabsätze erklärt –
    Wären sie dem Fingerzeig gefolgt?
    Sie wären.

    GG, Abs. 1; GG Abs. 16a

  9. Meernotizen says:

    Wir sind
    unterschiedlich
    an Farbe
    und können uns
    doch sehen.

    Wir tragen Kleidung,
    die uns versteckt,
    und sind doch alle
    nackt darunter.

    Wir sprechen
    eine andere Sprache
    und lachen doch
    gemeinsam.

    Wir gehen Wege,
    stolpern, stehen auf
    und schätzen das
    kleine Glück.

    Wir sind uns
    keine Fremden
    solange wir
    denselben Himmel
    sehen.

  10. roteFrau says:

    Flucht verflucht in die Flucht geschlagen flüchtig unbewusst bewusst in Kauf genommen nicht willkommen dort nichtnicht hier…am Tellerrand abgebogen unbekannt verzogen gelogen lügst dich selbst an…gib der Wahrheit ein Asyl!

  11. ich bin gast

    aus mitteleuropa

    dank oktoberfest und merkel

    hoch angesehen.

    menschen, die ich kenne,

    aus albanien wollen wieder zurück

    aus rumanien zogen letzten monat weiter

    aus marokko machten tolle kindergeburtstage.

    ich bin gast

    aus mitteleuropa

    und sehe fern:

    die inseln hier

    ob gross oder klein

    sind arm und zerbrechlich und wissen nicht weiter

    wohin mit den särgen

    ich bin gast

    aus mitteleuropa

    und habe das geld für den reichsten

    supermercato hier

    und der zufall wollte

    dass ich die schweigeminute für lampedusa

    zwischen den mehr als mannshohen regalen

    beging

    ich bin

    mensch und beweinte
    die toten

  12. von @justme_hh:

    fliehen müssen weil nichts mehr geht
    keine Hilfe finden weil nichts mehr geht

    Hoffnung
    Zukunft
    suchen
    finden?

    das Thema flasht die Synapsen
    – das nichts mehr geht

    die einen verstehen nicht
    die anderen haben nur diesen Weg

    crisis of humanity

  13. von @tauscher57:

    da saß sie nun mit kind
    verkaufte des gartens frucht

    was träumte sie was hat sie sich erhofft
    von ihrem leben in ihrem land

    ohne mann mit kind flüchten?
    beschwerlich und hart der weg

    ins neue land der zukunft
    sie wird es wagen für schönere tage

  14. von @springvogel:

    Wo sind sie geblieben
    die Polen für den Aufbau
    des Ruhrgebiets die Ver
    triebenen Gastarbeiter des
    Wirschaffendaswunders aus
    ganz Europa und die Spät
    aussiedler? Ihre Kinder unter
    richten unsere Enkel heiraten
    und Syrien ist gleich neben
    an Nachbar.

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