kunstsommer-rückblick 5. august: die lesung

der erste tag mit und in den meisterklassen liegt hinter mir. wir sind zehn teilnehmer plus nora gomringer. es ist eine feine gruppe, und wir haben uns gestern vor allem viel zeit genommen, um uns kennen zu lernen, schon über die ersten projekte zu sprechen, die jeder so bei sich hat oder machen mag, und um so eine gute basis für die weiteren tage zu schaffen. gut so. nora beginnt jeden tag mit der lesung eines textes und endet auch wieder damit. ihre stimme ist wunderbar. sie umhüllt und trägt – vor allem mich als zuhörer mit tief in die gedanken und geschichten des autors hinein. ein ganz fantastisches erlebnis, und wer die gelegenheit hat, sie lesen zu hören, sollte das auf jeden fall wahrnehmen, denn es ist ein geschenk.

das wurde auch gestern abend sehr deutlich, als sie ihre gedichte gesprochen hat. ja, wie der leiter des kunstsommers anmerkte, kann man es in der tat kaum lesen nennen, es ist eine darbietung, ein sprechen, ein singen, ein rausch, in den man fällt und hineingezogen wird, es ist eine performance und eine rolle, die wir sehen. die sprecherrolle. so weiß ich nun: es ist noch ein langer weg zu gehen, sophie paulchen. da liegt noch eine menge lernen und staunen und lesen und beobachten und einprägen und annehmen und zähmen vor dir. ich verspüre große ehrfurcht vor dieser art des sprechens und des näherbringens von texten. und nun auch großen respekt vor dem, was ich selbst mache. es sind bereits andere augen, mit denen ich auf die eigenen texte schaue. habe ich wirklich auch den leser, habe ich den zuhörer beim schreiben im blick gehabt? wie umfasst er die gedichte und hört sie, mit welcher stimme oder liest er stimmlos und vielleicht gar ohne inneren widerhall?

wir sollen für heute eine eigene lesung von 20 minuten vorbereiten, und es sind nach dem gestrigen tag, nach dem gestrigen abend diese gedanken, die sich zwischen die zeilen meiner texte schleichen. ich lese die texte laut vor und denke: auweja. das ist eher ein geschriebener text, der wohl auch nie gelesen werden wollte. natürlich lese ich mir die texte beim schreiben mehrfach laut vor, aber ich trage sie nicht vor. sie haben beim abschluss einen guten klang, aber es ist ein innerer klang, und diesen nach außen zu tragen, scheint mir nicht bei allen texten gut machbar. vielleicht muss das gar nicht. vielleicht darf das so. es ist jedenfalls ein nachdenken bei mir in gang gesetzt worden, und das ist gut so. heute die lesung. ich bin gespannt und freue und fürchte mich etwas auf und vor den rückmeldungen der anderen. ein wichtiger schritt nach vorn.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Zustimmung zur Datenspeicherung lt. DSGVO