kunstsommer: subtraktion und vergänglichkeit

halbzeit im kunstsommer. die zeit, die wir noch gedacht massig hatten, zeigt uns ihre grenzen. es ist ein rhythmus in die woche gekommen, in die gruppe. um zwölf hat man jetzt hunger. weil dann eben mittagspause ist. so einfach ist das manchmal.

ich gestalte mit den teilnehmern den impuls am morgen. das heißt, eine viertelstunde ruhe, bevor der tag so richtig einsetzt. ich begleite sie aus der nacht in den tag und lese zwei texte zur nacht und zwei zum tag. verschenke #earlypoem als möglichen wegbegleiter ins bergfest hinein. ich erhalte dankeschöns und tolle rückmeldungen zu mir, den gedichten, den kleinen „glückskeks-sentenzen“. wie schön! was für ein geschenk!

bei jan wagner geht es mit der ausarbeitung von literarischen figuren weiter. ich grüble und finde mit den grauen herren einen guten und für mich zufriedenstellenden ansatz. nicht einfach, ein prosagedicht, ein monolog, ein einblick in so eine figur. reizvoll und herausfordernd. anregungen zum feilen und weiterschreiben. auch tier- und pflanzengedichte werden als impuls angerissen. bekannte themen und doch immer wieder eine gute aufgabe.

mittags das gespräch mit fotograf josef schulz. ein interessanter ansatz eines mannes, der die subtraktion in den mittelpunkt stellt. er fotografiert und subtrahiert dann verschiedene elemente aus seinen bildern heraus. er malt am computer elemente hinzu mit dem ziel, den perfekten berg oder das perfekte haus zu erzeugen. eine spannende idee und die frage: wann ist etwas perfekt, und gibt es für ihn auch fotos, die ohne subtraktion perfekt sind. grenzen zwischen fotografie und grafik. fließend mitunter. doch das darunter muss immer real sein, ein echtes foto als grund.

abendwerkstatt mit loomit, alias mathias köhler, graffiti-künstler und meister einer graffiti-klasse in irsee. klasse, dass so eine klasse angeboten wird. tolle einblicke in seine arbeit und sein kunstverständnis. begriffe wie „graffiti-künstler haben den öffentlichen raum schon lange vor facebook & co eingenommen“ bleiben hängen. wundervoll. dazu die überlegung, wie vergänglich straßenkunst ist oder kunst überhaupt. welchen ewigkeitsanspruch sollte man an sein werk haben? loomit hat ihn nicht. zu schnell übermalt, weggewischt, torpediert. und dann der wundervolle satz „wenn ich nicht mehr male, ist bald nichts mehr von mir da“. gedanken, die sich in die lyrik ziehen. lang, nachdem loomit sein graffiti an der wand des atelierhauses in irsee vor unseren augen beendet hat.

ein tag mit viel inspiration, impulsen und dankeschöns. dankeschön.

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