#frapalymo no 28: unter die anderen

am nomadengleis
verlieren sich die gesichter
im ein oder anderen alltag
im ein oder anderen leben

im nomadenzug
sucht die frau die zeit
zwischen den gleisen
zwischen den orten

am nomadenziel
verschwinden die gesichter
verschwindet die frau
gehen unter unter die anderen

 

das ist gedicht no. 28 von frau paulchen für den #frapalymo, und der impuls lautete: „die frau im zug“. danke nochmals für so vieles und alles, liebe @sandrastrazzi!

30 tage, 30 gedichte, no excuses: wer beim #frapalymo mitmachen mag, kann dies entweder für sich tun und die impulse für die eigene schreibstube nutzen. oder im unten stehenden kommentarfeld seinen blog/webseite verlinken. oder das gedicht selbst über das kommentarfeld hochladen. oder auch einfach sonst einen kommentar hinterlassen. ähnlich über twitter mit link und kennung #frapalymo und @FrauPaulchen

32 thoughts on “#frapalymo no 28: unter die anderen

  1. manchmal
    hör ich dieses Pfeifen

    nachts wenn Dunkel
    über Träumen
    aus längst vergangenen Tagen wacht

    fauchende Nebel schweben grau
    unter
    spärlich schimmernden Laternen

    stumm

    schreien Gefühle Worte
    die nur
    der schwarze Himmel hört

    Wangen
    schmelzen langsam und leise
    im Fluss der Sehnsucht

    in blauen Augen
    glänzt

    der Orient-Express

  2. Ruth says:

    im kleinen koffer
    nicht mehr viel
    ist immer weniger
    geworden
    auch an sehnsucht
    das kleidchen
    bleibt längst im schrank

    sie weiss nicht
    wer sie ist
    die da fährt
    und wer er
    der sie erwartet
    das gefühlte wir
    ist irgendwo
    längst
    ausgestiegen

  3. Corinna says:

    Als Schneeflocken schwarz
    vom Himmel fielen
    wie kleine tote Vögel
    hatte sie das Nötige
    gepackt
    ein Stück Brot
    ein wollenes Tuch
    eine Tasche mit Worten
    und den erstbesten Zug
    genommen
    fort
    nur für einen Sommer
    hatte er gesagt

  4. Gerda Steger says:

    die frau im zug

    eine fremde unter fremden
    gesichtern nicht fremd sich
    mit der sehnsucht
    nach dem anderswo

    gedanken treiben sie still
    im takt der räder
    zwischen licht – schattenspiele
    verfängt sich ihr blick

    alles verschwimmt entflieht
    entrinnt & fliegt an ihr vorüber
    entwirrt das dunkle
    der wälder der gedanken_berge
    wege häusern & flüssen entlang

    sprengfreude!
    der tag häutet sich
    für die frau im zug:
    sonne öffnet ihr
    die augenfächer

  5. der krebs

    hatte sie nach hause gerufen.

    so saß sie fest

    in einem ort

    – noch nie davon gehört-

    mit alpenpanorama

    und

    durchpustet vom frühlingswind.

    die weiterfahrt

    angstzerfressen.

  6. Ich fahre in die Zeit
    und nehme Menschen mit,
    die bleiben

    Ich denke mir Skizzen
    vom letzten Ort
    vermähle Begriffe,
    beginne zu schreiben

    Ich möchte das Neue
    und zeichne doch alte Bilder
    und Klänge auf

    Ich lasse mich ungewiss treiben

  7. Der Kopf
    ans Fenster gelehnt
    draußen nur Striche
    weiß oder bunt

    Gedanken-
    und Bilderlametta
    innen
    schläfriger Rhythmus

    und müde Augen
    die Frau
    die zögert vorbeizugehen
    sehe ich nicht

    keine Begegnung
    noch eine
    keine Geschichte
    zu Ende erzählt

  8. philosophina says:

    Die Frau im Zug

    jeden Morgen der Weg
    der ihr widerstrebt

    so viele Menschen
    und doch allein

    gegen die Fahrtrichtung
    Frankfurt am Main

    sie fährt gerne Zug
    doch jetzt ist es genug

    sie steigt aus

    (geschrieben heute Morgen im Zug)

  9. Rike says:

    im Zug

    ohne Gerät in der Hand
    mit interessanten
    Gedanken im Kopf
    träumend die Landschaft
    beobachten, zufrieden mit der tatenlosen
    Auszeit zwischen Abfahrt
    und Ankunft

    manchmal kommt man sogar
    ins Gespräch mit Mit-
    reisenden
    mit interessanten
    Gedanken im Kopf
    ohne Gerät in der Hand

  10. Kleiner Floh says:

    Mit einem tiefen Seufzer
    lehnte sie sich entspannt zurück.
    Spürte die Bewegungen des Zuges,
    lauschte den Geräuschen.
    Ihr Buch und die Tageszeitung
    lagen bequem auf ihrem Schoss.
    Sie blickte aus dem Fenster,
    malerische Landschaften zogen vorbei.
    Wiesen, Flüsse, Wälder, Städte,
    Felder Hügel, Seen und Berge.
    Sie beobachtete die Menschen,
    an den Bahnhöfen und im Zug.
    Stundenlang genoss sie die Fahrt
    und freute sich auf ihr Ziel.

    Sie hörte plötzlich ein Klingeln,
    schaute sich im Zug ratlos um.
    So klang doch ihr Wecker,
    verwirrt öffnete sie die Augen.
    Seufzte und dachte noch lange
    über ihren Traum nach.

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