Gedichte in Bildern

Heute habe ich einen Kleinstkunsthanderwerkermarkt besucht (ich weiß, kompliziertes Wort, ist aber nicht meine Erfindung, sondern heißt tatsächlich so). Das war ein netter, kleiner Markt mit vielen Künstlern und wunderbaren Ideen für Schmuck, Skulpturen, Mode, Taschen usw. Dort war auch eine Malerin, die ihre Bilder verkauft hat. Sie hat, und das fand ich eine sehr schöne und bewegende Idee, ein paar Gedichte in ihre Bilder einfließen lassen. Aber nicht offensichtlich, aufdrängend, sondern sehr versteckt und zart.

Wer Sprache liebt, liebt Sandor Marai

Sandor Marai ist einer meiner absoluten Lieblingsautoren. In "Himmel und Erde" greift er Betrachtungen, Ideen, Gedanken auf und stellt sie mit einer derartigen Sprachkraft dar, dass ich oft atemlos vor Faszination bin. Gestern habe ich wieder darin geblättert - ich schlage abends meist eine beliebige Seite auf und lese dann ein oder zwei Textchen, quasi als Belohnung für den zurückliegenden Tag - und ein echtes Prachtstück an Gedankengut entdeckt.

Nebellichtung

Morgens um sechs, wenn der Nebel sich am Ufer des Neckars lichtet, das Grün noch saftig und beträufelt vom Morgentau ist. Wenn die Haut leicht fröstelt, weil sich die Sonne noch scheu hinter den Wäldern hält. Wenn die Vögel gerade noch trällern, aber eigentlich schon wieder am Abklingen sind und müde, weil sie um vier Uhr losgelegt haben. Wenn der Tag so ganz langsam und zaghaft Raum gewinnt und nach einer weiteren Nacht Platz einnimmt. Zu dieser Stunde bin ich gerne draußen und unterwegs. Noch ist Ruhe, noch ist der Tag frisch.

Samstag um vier (Kurzgeschichte zum Thema Unschuld)

Eigentlich war es eine blöde Idee. Im Nachhinein betrachtet. Und ich weiß auch gar nicht mehr, wie wir eigentlich darauf gekommen sind. Oder von wem es ausging. Vermutlich von uns beiden. Ja, bestimmt von uns beiden. Einfach weil wir keine Lust mehr hatten, die letzten in unserer Klasse zu sein, die ES noch nicht getan hatten. Die eben gerade keinen Freund und keine Freundin hatten. Gut, ich muss zugeben, ich hatte noch nie einen wirklich festen Freund. Und schon gar keinen, mit dem ich ES hätte tun wollen oder können.