#frapalymo 24nov15: ankommensanweisung

die koffer im flur
zuerst die leinenstoffe von den möbeln

staubpartikel in der luft zählen
einatmen

den tauben geschmack des ruhens
mit sich ziehen

im kleiderschrank
verduftetes lavendellächeln

die geräusche eines hauses
die eigenen


das ist gedicht no. 24 von frau paulchen für den #frapalymo, und der impuls lautete „ankommen“.

30 tage, 30 gedichte, no excuses: wer beim #frapalymo mitmachen mag, kann dies entweder für sich tun und die impulse für die eigene schreibstube nutzen. oder im unten stehenden kommentarfeld seinen blog/webseite verlinken. oder das gedicht selbst über das kommentarfeld hochladen. oder auch einfach sonst einen kommentar hinterlassen. ähnlich über twitter mit link und kennung #frapalymo und @FrauPaulchen

21 thoughts on “#frapalymo 24nov15: ankommensanweisung

  1. Ankommen

    täglich stündlich minütlich
    fahren neue züge ab
    springen wir von gleis zu gleis
    wechseln fahrzeug fortbewegungsart
    ziehen andere bahnen
    fahren im kreis
    schneller höher

    ist eine Illusion
    die weiter suchen lässt

    (Die erste Zeile und die beiden letzten sollten eigentlich fett gedruckt sein.) Einen guten Morgen an alle, die noch ankommen wollen.

  2. Zusammen

    Voller Glück mit dem ersten Blick
    aus dem Fenster purzeln
    Hochhauswände gegen Palmen
    Ein guter Tausch!
    Strandgefühl schon zwischen den Zehen
    zehn Tage rotlackiert
    pummelsatte Cocktailversorgung
    Herzensanliegen inklusive

  3. Ruth says:

    bässlergut*

    wir haben papiere,
    wir warten
    hinter einem dutzend
    schwer gesicherten türen
    gut bewacht
    der beton drückt
    von allen seiten

    wir haben papiere
    mit denen alles in ordung wär
    wir harren
    der hoffung
    drei stunden täglich
    auf dem spazierhof
    es zieht uns nicht
    nach nirgendwo

    wir haben papiere
    wenn sie nur vorhanden sind
    wir gedulden uns
    ohne papiere
    keine rechte
    auf die ankunft im land
    unserer sehnsucht
    sind hier und doch
    weit weg

    wir haben doch papiere
    sind auf der flucht
    verloren
    wir kriegen
    ein buch
    ein gespräch
    mit der nonne
    dem pflegedienst
    etwas gegen die
    magenprobleme

    *Name des Ausschaffungsgefängnisses in Basel
    Diese Zeilen entstanden nach dem Lesen einer Reportage

  4. @sandrastrazzi says:

    Am schmalen Grat der Nacht zum Tag
    zieht es mich zum Fischerhafen
    an dem die ewig Suchende
    für einen Atemzug vermag,
    ein Ankommen zu empfinden,
    wenn die Rückkehr des alten Fischers
    mit dem ersten Tageslicht zusammentrifft

  5. vita

    mein buch, sagt ein freund
    lese sich in der grauen stadt
    anders
    ja –
    meine ankunft damals
    war eine niederkunft
    auf der durchreise

    von zeit zu zeit
    sammle ich mein gepäck
    binde es auf den rücken
    die brust die seele
    immer
    fragt jemand, ob ich bleibe

  6. philosophina says:

    dieses Gefühl
    ist nicht meins
    die Welt
    um mich herum
    nicht meine

    ich passe nicht
    ein Puzzleteil
    im falschen Bild

    auf der Suche nach
    gleichen Farben
    gleichen Narben
    auf der Haut

    jenes Gefühl
    von dem man spricht
    kenne ich nicht
    sein Name sei
    angekommen

  7. Pfannenfrisch und knusprig golden
    Duftend und mit Zimt bestreut
    Nachtisch lässt sich daraus leiteten
    Apfelringe man sie nennt
    Vanilleeis dazu drapiert
    und ein Spritzer Schokosoße
    angekommen in der süßen Welt

  8. Ankommen

    Ich lauf mir bisweilen drei Schritte voraus
    und eile mir hinterher.
    Ich komme mir näher, hab mich fast erreicht,
    und schon bin ich nirgends mehr.

    Jetzt aber alles! Ich schliesse auf,
    gewinne mich fast – aber nein –
    Ich eile vor und hinter mir her.
    Es müsste doch anders sein!

    So gebe ich auf und setze mich hin
    Müde, kalt und benommen.
    Wer rückt da ganz sachte nah zu mir auf?
    Ach, ich? Ich bin angekommen.

  9. roteFrau says:

    aus dem Keller,spinnentweben,aufpolieren,Schlüsselsuche,Schloss durchbolzen,Sattel neu,Kette Ölen,aufpumpen,ok,aufsitzen…ankommen

  10. Die Ankunft

    Da lag sie nun, die graue Stadt am Meer;
    verbauter Blick, Beton und harter Stahl,
    am Himmel eine Sonne zwar, doch fahl.
    Der Hafen war zu dieser Zeit noch menschenleer.

    Es roch nach Tang, nach Müll und auch nach Teer.
    Die Fracht – sie ruht wohl noch im Wartesaal;
    der Kaffee schmeckte mir ganz lau und schal.
    Die Szenerie – viel mehr gab sie nicht her

    als harter Arbeit magren Lohn.
    Dann kamen die Gebeugten schon;
    sie fluchten russisch und fast scheu,

    doch löschten sie und luden neu.
    Drei aufgenähte Winkel standen Wache,
    denn Ware – das ist eine teure Sache.

    (ich entschuldige mich bei den Regeln des frapalymo – jeden Tag ein neues Gedicht. Heute habe ich in meine Schublade gegriffen, weil ich frapalymo nicht „ohne“ lassen wollte, jetzt auf der Zielgeraden; die Zeit war bei mir abhanden gekommen.
    Dieses GEdicht stammt aus Mai/Juli 2010).

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