#frapalymo 25mai16: reisen

ich bin zurück in der zukunft mit dem geschmack von zuckerwatte
unbeschwerte geschmeckte kindheit
und der ruf der mutter
das sei künstlich und schmecke nach nichts außer nach süß
waisenworte des jahres 82

den rosa klebetraum in der hand
das nadelstreifenkostüm um meinen körper gewickelt
sehe ich mich in den augen der anderen lache
lache das absurde aus meiner brust
und kehre erneut zurück in die zukunft
zum weißen baumwollhängerchen zur
hängematte zum ich

 

das ist gedicht no. 25 von frau paulchen für den #frapalymo, und der impuls lautete „filmtitel“ – bei mir unschwer zu erkennen – und wie geht es bei euch?

30 tage, 30 gedichte, no excuses: wer beim #frapalymo mitmachen mag, kann dies entweder für sich tun und die impulse für die eigene schreibstube nutzen. oder im unten stehenden kommentarfeld seinen blog/webseite verlinken. oder das gedicht selbst über das kommentarfeld hochladen. oder auch einfach sonst einen kommentar hinterlassen. ähnlich über twitter mit link und kennung #frapalymo und @FrauPaulchen

34 thoughts on “#frapalymo 25mai16: reisen

  1. Unten links Frau A.
    frühstückt sommers wie winters
    Punkt acht
    Darüber Familie S.
    mit den Irrwischkindern
    hinter verschmierten Fensterscheiben
    Herr B. oben rechts
    auf dem Balkon
    bläst ratlose Wölkchen in den Himmel
    Und unten rechts turnt Mister X
    der Star in meinem stummen Film
    Ich, 2. Stock, Mitte
    brauche kein TV ich habe
    Das Fenster zum Hof

  2. Matthias Doellert says:

    Mit den Kräften der Kälte geboren,
    hat sie einfach die Eiswelt versaut
    und sich einen Palast der Liebe erbaut.
    Die Eiskönigin – völlig unverfroren!

  3. simple life

    ich blickte hinter die wolken
    morgens
    an vormittagen
    lernte ich vom leben
    zu leben
    die mittagssonne schien lang –
    oft war es plackerei
    in der hitze des tages
    anzupacken und auszupacken
    mit kühler haut
    mich anzulehnen ans kostbare –
    wie konnte die zeit
    es heimlich zerbröckeln?
    ich sehe risse und schrunden
    mit gold vertäut –
    der himmel spiegelt sich
    in der ruhe
    am abendtisch
    ordne und liebe ich
    zahnlos lächelnd
    was vom tage übrig blieb*

    • Gerda Steger says:

      Dein Gedicht, liebe Silbia, balanciert leichtfüßig zwischen Empfinden und Reflexion in klangvollen Zeilen. Subtil die Wirkung! Zwischen deinen Zeilen ist auch die Stimme deiner Seele hörbar.

    • yumami says:

      das ist auch einer meiner Lieblingsfilme (mit wunderbarer Musik)
      – und ich habe sofort die Szene vor Augen, als ihr Vater unerwartet bei ihrer Prüfung auftaucht und sie sich in der Gebärdensprache unterhalten

  4. Gerda Steger says:

    wellengang

    aus dem ozeanblau steigen bilder
    licht. schatten die augen trüben
    auch tausend und eine nacht ins innere
    sich sternen, mein herz will fliegen
    flügelgespannt blauende welten durch
    segeln „and my heart will go on“…
    damals wie heute mit dir:
    „eine sättigung herrlicher zeichen“ *

    *Jean-Luc-Godard (französisch-schweizerischer Regisseur, Drehbuchautor)

  5. Der Impuls trifft auf meine Wim Wenders-Begeisterung. Ich finde ihn sehr ergiebig für meine Intermediale Reisen und habe für heute den ersten Hollywood-Film von Wenders, „Hammett“, ausgesucht, der unter chaotischen Bedingungen zwischen 1978 und 1982 nach einem Roman von Joe Gores gedreht wurde.

    • Gerda Steger says:

      Liebe Ule, den erwähnten Film kenne ich zwar nicht, aber der daraus entspringende Impuls für dein Gedicht ist einfach Klasse. Sprachspielerisch werden rhythmische Klangbewegungen erzeugt – wie schön die i – Buchstaben bei dir tanzen, Worte wandern, sinnliche Momente ein Stück Leben erspüren.

    • Unvergesslicher Film. Und ein sehr passender, schöner Text von dir. Toll, wie du in der Mitte den Rhythmus des Kinderreims aufgreifst. Das wird beim Lautlesen ganz deutlich.

    • Gerda Steger says:

      Dein Gedicht ist von der Essenz her als auch vom Klang sehr ausdrucksstark, spricht mich sehr an. Einfach schön zu lesen!

  6. Esther says:

    Pool in Casablanca

    Zwischen Bali Beach und
    Malibu Bay Breeze schwimmt
    Der neue Gast hin und her
    Rührt in der sonnigen
    Zellteilung des Wassers
    In Netz und Schuppe
    Steigt glitzernd heraus
    Widmet sich wieder
    Den Rührstäbchen
    Sie taugen als Fahnenmast
    Vor wankenden Wänden
    Buckelnden Schwellen
    Seltener als Kelle und Senklot
    Am Beginn einer
    Wunderbaren Freundschaft

  7. yumami says:

    ich laufe am strand
    woher und wohin

    der sturm umarmt mich
    sind es meine tränen
    oder weint das meer

    die sehnsucht brennt
    wie salz auf meiner Haut*

    * Salz auf unserer Haut
    (franz. Originaltitel: Les vaisseaux du cœur)

  8. roteFrau says:

    Vertigo,schwindellos,hoffnungsfrei,erliebt,vermordet,Liebes-,Ränkespiel,schwindelt,Schwindel ist Schwindel…bleibt Schwindel,Ende!

  9. Klingklangklingklang
    quadrofiligraner
    Ohrenschmaus –
    Licht gedimmt,
    nun geht es aus.
    Über Blütenwiesen
    reihenweise
    geht die Reise
    und das kleinste Bienchen
    summsummsummt
    Maja-gleich von Rittersporn
    zu Mohn und Rose;
    gelbbestaubt bald darauf
    zur Wabe hin, zum Korb, zum Volk;
    tänzelnd, zeigend, Nachricht gebend;
    wird von Tropf zu Tropf,
    zu Speise, Trank und Würze,
    letztlich gar zu Honig im Kopf.

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