#frapalymo 7nov18: stiegen

stiegen

du hättest dir bewegliche treppen gewünscht
wie in diesen harry potter büchern
wo du dort landest wo du nicht hin wolltest
als die steilen stiegen zu gehen
die dich dort hinbrachten wo du nicht hin wolltest
(abenteuerlos)

 

das ist gedicht no. 7 von frau paulchen für den #frapalymo, und der impuls lautete „medientransfer: schreibt ein gedicht zu diesem geräusch (treppensteigen)“. Ich bin gespannt, wohin euch treppen und schritte führen.

30 tage, 30 gedichte, no excuses: wer beim #frapalymo mitmachen mag, kann dies entweder für sich tun und die impulse für die eigene schreibstube nutzen. oder im unten stehenden kommentarfeld seinen blog/webseite verlinken. oder das gedicht selbst über das kommentarfeld hochladen. oder auch einfach sonst einen kommentar hinterlassen. ähnlich über twitter mit link und kennung #frapalymo und @fraupaulchen

38 thoughts on “#frapalymo 7nov18: stiegen

  1. von @fliegergedanke:

    Polternd fliegend
    junger Mann
    leise schleichend
    Nachbarin
    begleitet von Worten
    am Phone
    Studentin
    schnaufend & verlangsamend
    vom Einkauf beladende
    polternd fliegend
    da isser wieder
    iTreppensoundgeräusche
    ein jeder sein Treppensteigsound

  2. Rona Duwe says:

    Als Treppen noch knarrten und tönten
    hatten wir Zeit für den Schritt
    Es ging langsam
    auf und ab,
    um nicht zu stürzen,
    oder den Kopf an der niedrigen Decke
    nicht zu stoßen.
    Zeiten, die nach Eingemachtem riechen,
    nach Kohleofenwärme
    nach Öl in der Kellerwerkstatt des Großvaters,
    in der alles noch seine Ordnung hatte.
    Und überhaupt: Zeit.
    Wir hatten Zeit.
    Man saß und spielte Karten.
    Man saß und strickte.
    Man saß und redete.
    Man saß und aß.
    Man saß und las
    oder schrieb seitenlange Briefe.
    Und Großmutter fragte:
    „Schmeckt‘s Dir etwa ned?“
    Wenn nach 3 Tellern Suppe
    oder 5 Klößen
    der Magen voll war
    und rund wie ein Stein.

    • Auch ich hatte die Kellertreppe meiner Tante in meinen Gedanken, als ich den impuls las. Ich kann deine Zeilen gut nachfühlen, nachvollziehen.
      Zeiten, die nach Eingemachtem riechen,
      nach Kohleofenwärme

      Ganz genau.

  3. @lose_gedanken says:

    Vierzehn Stufen.
    Alle gleich in doppelter Richtung.
    Aufwärts. Abwärts.

    Es gibt keine Treppe im Waagrechten.

    Vierzehn Stufen.
    Alle unterschiedlich
    in Klang und Rhythmus.
    Wie der Mensch, der sie nutzt.

  4. Gerda Steger says:

    stilllaut

    trapp trapp steil hinauf
    die Holztreppe führt
    die vielen Wendelstufen mühsam hoch
    täglich atemlos sie tragen

    hör, wie es knarzt und knackt,
    knirscht und quietscht
    trapp auf trapp ab

    bei jedem Schritt nicht
    die alten Treppenstufen nur
    auch die alten Knochen schmerzen laut

    es knarrt und klappert
    trapp trapp höher hinauf
    wie damals im Erblühen sie

    die steilen Lebensstufen stieg
    nicht mit den Füßen –
    mit Herzblut sie die letzte Hürde schaffte
    Geräusche zum Schweigen brachte

  5. Meernotizen says:

    Als Du gingst.
    Nichts war da und doch blieb alles.
    Im Vorwärts und Rückwärts,
    seitwärts schöpfe ich Atem.
    In jedem Schritt ein hin zu… mir.

    Ich kann Dich immer noch hören.

  6. von @tauscher57:

    treppauf treppab so ist des tageslauf/lebenslauf
    mal stehst oben mal unten mal steinig schwer
    andermal scheinst du zu fliegen kein innehalten schwäche zeigen schlapp machen zählt nicht denk nach es wird am ende kein dankeslohn geben
    nur paar blümchen auf dem grab

  7. Endlose tausende Treppen-
    stufen steigst du hinauf und hinab
    im Leben –

    weißt du noch?
    deine Eltern:
    damit du nicht fällst
    haben wir für dich ein
    Treppenschutzgitter angebracht

    bald –
    deine Kinder:
    damit du nicht fällst
    haben wir für dich eine
    Altenwohnung gemietet

  8. Mahlgut

    Über Zeiten
    nur Stille
    geschärft die Ohren
    Augen blank
    schwarz ihr Gefieder
    dem Mondlicht nahe.

    Wechseln Geheimnisse
    ihren Besitzer
    Flüsternd, zischelnd, raunend
    hinter klapprigen Türen
    die Stiege hinauf
    schlurfend und schwer
    doch
    leise, leise!
    die dritte Stufe von
    unten knackt
    abgezählter Verrat
    letzter Tritt nur
    noch die Bodenklappe.
    Haltet sie!
    Einer dem anderen.

    Was vor sich geht.
    Er hört es
    er weiß es
    er durchschaut.
    KRABAT!
    Abwärts, schleppend;
    Holzschuh-stolpernd,
    polternd, nichts
    vermeidend;
    legt sie los,
    die Mühle, die
    zuweilen besessen
    mahlt, was übrig bleibt –
    von was…
    bei Nacht
    bei Dunkelheit
    zur Fracht wird
    zur Fracht
    für ihn,
    den Roten mit der
    Feder am Hut.

    Raben fliegen
    im Dämmer
    über Zeiten
    nur Stille
    geschärft die Ohren
    Augen blank
    schwarz ihr Gefieder
    dem Mondlicht nahe.

  9. In der Sonnenstaubkammer
    ist es sicher
    die Stiege knarrt laut

    Partykram
    nie gelesene Bücher
    Stühle und Allerlei
    drei Steine fehlen
    in der Außenwand

    Scharten mit trockenen
    Insektenhäuten
    ein Ausguck
    mit ausgeschnittener Welt

    zurück in der Kühle
    des Kellerraums
    ist alles ungewiss
    nur lautloser Stein

  10. @Maremmafotos says:

    Tipp tapp klack klack
    jede hat ihren eigenen Klang
    ob Holz ob Stein
    Ohren hören Augen sehen
    Füsse finden sicheren Tritt
    tipp tapp klack klack
    knarr knarr tock tock
    und blop

  11. ich hörte ihn ja ganz genau
    den Mörder
    meiner Frau
    der kam die Treppe hier hinauf
    am Mittag wie in einem Lauf
    Ich hab die Schritte aufgenommen
    als er die Stufen hat erklommen

    hören Sie genauer hin
    mahnt die Nachbarin
    aufgepasst Herr Kommissar
    wie das wirklich war
    was genau geschieht
    hört man wenn man gar nichts sieht
    und
    gab zu bedenken
    den! Beweis kann er sich schenken
    der Ton war falsch
    so hörte ich es ganz genau
    beschwor es nun die blinde Frau
    es war kein Fremder hier im Haus
    so sagte es die Zeugin aus
    ablenken wollt er nur
    mit der gezinkten Spur
    er lief wohl selbst
    ach würd man’s ahnen
    diese falsch gelaufnen Bahnen

    der wahre Mörder
    wollte so entkommen
    er hat andre Wege aufgenommen
    so musste es der Mann gestehen
    genau so war es ja geschehen

    p.s.
    die holde Gattin schlug er tot
    bereits beim letzten Abendrot

    ***Mein blindheitsgeschultes Gehör erzählte mir diese Geschichte.

    • Blutrünstig, liebe Dagmar, aber wie wahr! Die Unterschätzung von Zeugen – untermauert von Vorurteilen – hat schon manchem, der im Schutze der vermeintlichen Dunkelheit munkelte, ein Bein gestellt.

  12. yumami says:

    morsch ist sie geworden
    viele füsse haben sie betreten
    nur wenige haben sie berührt

    im lauf der jahre
    hatte sie gelernt
    schwingungen zu deuten
    stimmungen temperamente
    sie vermißt die vertrauten schritte

    es ist still geworden

    • yumami says:

      Variation
      ***

      müde ist sie geworden
      viele menschen haben sie benutzt
      nur wenige haben sie berührt

      im lauf der jahre
      hatte sie gelernt
      schwingungen zu deuten
      stimmungen temperamente
      sie vermißt die vertrauten schritte

      es ist still geworden

  13. die tocher und der freund schlichen

    die mutter polterte

    hinterher die treppe hinauf

    der vater blieb unten.

    die enkelkinder aus der großstadt

    fielen alle einmal hinunter.

    so viele und mehr geschichten

    im einfamilienhaus.

  14. roteFrau says:

    tipptapp trippeltapp tiptiptap knarz taptaptap tip! schlurf tripp trippeltripp tapptapditap – taap taap stöhn tappeldi tappel tap stop taptaptaptaptap

  15. treppenmeditation

    rhythmisches knarzen
    ein letztes aufbäumen
    des alten holz gesäumt
    von träumen wie in trance
    bedächtig stufe um stufe
    bevor die glücklichen wünsche
    in frischem beton erstarren

  16. ruth says:

    heimkehr

    tüten in den beiden händen,
    briefe unter der Achsel eingeklemmt,
    zwei stufen hoch
    mein ellbogen bringt die tür in schwung
    ächzen vermischt sich mit klappern von töpfen
    wohnung im erdgeschoss
    schritt für schritt
    vorbei
    an wohnung erste etage
    stossgebet zur tür zum hund
    zeig mein gang nicht an
    mit deinem bellen
    ich mag jetzt nicht die lebensfragen stellen
    wohlan
    zwei treppen aufs mal
    die briefe fallen
    zwei schritt zurück und knarrendes bücken
    psst
    ich bin doch schon vorbei
    briefe zwischen den zähnen
    zwei tritte aufs mal
    da wo es sonst still
    eine stimme ins gespräch vertieft
    einen gedankengruss
    an wohnung zwei
    ein halten
    die eine tüte wechselt raschelnd die hand
    atmen, pusten
    langsames steigen
    die linke nestelt in der jackentasche
    klirrender schlüsselbund
    zu haus.

  17. 7. November 2018

    Eins zwei drei
    die vierte lass ich aus
    sie knarzt und ächzt und seufzt
    die siebte gleichermaßen
    als wohnten Klagegeister
    in ihrem alten Holz
    die elfte ebenfalls
    ist nur am Rand
    geräuschlos zu betreten
    bei fünfzehn ist’s geschafft
    oben!

  18. Unsichtbar

    Treppauf treppab
    immer in Eile
    immer beschäftigt
    was als nächstes
    wo fehlt es noch
    die braucht das und
    der will jenes
    treppab treppauf
    mit Wäsche, Krams und Sorgen
    und ohne Ruh und Rast

    Ich saß dort
    in der Ecke
    auf der Treppe
    und habe gewartet.
    Doch Mutter
    hat mich
    nicht gesehen.

    _________________________________
    https://fantasiafragile.de/unsichtbar/

  19. von giselheid:

    Tripp trapp, tripp trapp,
    Treppauf, treppab.
    In der alten Holztreppe, verborgen, im Innern der Stufen,
    sitzen klitzekleine Treppenhäusler bei Kaffee und Kuchen
    in geheimer winziger Welt.
    Nur Spinnen und Ameisen kommen sie besuchen.
    Tripp trapp…

  20. Hina Artemon (@HArtemon) says:

    gedankenbewegung

    entrückt steige ich die stufen

    hinauf zu einem detailreicheren bild
    eine kurve

    hinauf zu genaueren begriffen
    eine kurve

    hinauf zu einem klaren ziel
    eine kurve

    hinauf zu einem warmen gefühl
    ein freier fall

    zum ausgangspunkt

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