kunstsommer-rückblick 11. august: abschluss

zu ende der kunstsommer in irsee 2012. zu ende eine woche intensivinspiration sinninfusion schwammzeit. es war wunderschön, zwischendurch anstrengend und im abschluss stimmig. die kunstnacht war sehr schön, sehr mutig, sehr belesen und doch mit einem publikum versehen, das mitunter auch das alte, veraltete verständnis der „kultur“ und „kunst“ repräsentiert, das die hohe kunst meint. in dieser hohen kunst hat man manchmal das gefühl, nicht lachen zu dürfen, keinen scherz machen zu dürfen, alles sehr ernst nehmen zu müssen, weil sie tief ist und schwer. und es war schön zu sehen, wie wir mitunter mit unseren guerilla-aktionen in der lyrik diese schicht ein klein wenig aufbrechen konnte. es schien zu gefallen.

wir haben unsere texte und gedichte im ganzen haus verteilt. wir haben besucher, die vor bildern gestanden sind, mit einem gedicht beglückt, wir haben sie beim warten in der schlange mit einem text vertröstet, wir haben die pause der jazz-musiker genutzt und ein gedicht in den raum gesprochen. alles als guerilla-lyrik getarnt mit der lauten ankündigung: jetzt passiert ihnen ein gedicht. und es hat funktioniert. die besucher sind stehen geblieben, haben die aufgehangenen, aufgeklebten texte gelesen, uns zugehört, beklatscht und gelächelt. wir haben es geschafft, die lyrik von ihrem sonst meist so hohen podest herunterzuholen in eine alltagswelt, in eine normale umgebung, die nicht lyrikfrei ist und dadurch bezaubert. auch die projektionen der texte oder der textfragmente an die wand hat funktioniert. viele von uns sind angesprochen worden, als die besucher unsere namensschilder gesehen haben. manche gedichte waren nach dem abend weg und sind mitgetragen worden. wir begleiten die menschen also noch weiter. schön. sehr schön war das.

auch unsere lesungen haben funktioniert, auch wenn sie wieder sehr klassisch waren und mitunter schwer, und die leichtigkeit der lyrik etwas verloren ging, und genau diese leichtigkeit wollten wir doch eigentlich an diesem abend in die kunstnacht tragen. aber nun gut. es erfordert einfach sehr viel geübtes sprechen und sehr vieler sprechtexte, um diese leichtigkeit auch vor einem sitzenden publikum in einer lesung oder einer präsentation der gedichte hinzubekommen. wer nora gomringer einmal gehört hat in einer lesung, weiß, was ich meine.

der kunstsommer irsee ist für dieses jahr nun zu ende. wir haben uns verabschiedet, wir haben kontaktdaten ausgetauscht, und jeder ist mit einem reichen schatz an neuem nach hause gekommen. für mich eine tolle woche mit einem herrlichen entrücktsein von der normalen welt, die ausgeschlossen war, und in die es jetzt zurückzukehren gilt. und doch ist auch diese normale welt jetzt anders gefärbt. der blick wieder geweitet. möge er geweitet bleiben.

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