#frapalywo tag 5, text 5 – dachkammer

liegenschaft

hier liegen die tränen
und hier die sommer
erinnerungen
in papier gepackt
die ungelebte kindheit das
erste glück letzte glück
geschriebene seiten gelesene
wörter manche davon briefe
nie abgeschickt hier die nacht
damals im august ein
stern
schnuppen
wunsch
und hier liegt die schuld
die ich nicht weiterschenken konnte
so blieb sie
und hier liege ich

 

das ist tag 5, text 5 der #frapalywo zum impuls „dachkammer“. hauptthema der woche lautet „haus und zimmer“. was verbirgt sich wohl hinter eurer dachkammertür? gute geister, böse geister?

7 tage, 7 texte, 1 thema: wer bei der #frapalywo mitmachen mag, kann dies entweder für sich tun und die impulse für die eigene schreibstube nutzen. oder im unten stehenden kommentarfeld seinen blog/webseite verlinken. oder das gedicht selbst über das kommentarfeld hochladen. oder auch einfach sonst einen kommentar hinterlassen. ähnlich über twitter mit link und kennung #frapalywo und @fraupaulchen

20 thoughts on “#frapalywo tag 5, text 5 – dachkammer

  1. Matthias Doellert says:

    Kindheit. Immer und immer wieder. Tür auf und schnell hineingeschlüpft. In Schränken, Schubladen, Truhen, Karton’s… Die Suche nach Unerwartetem, nach kleinen Schätzen, nach Verbotenem… Aber auch Staub, Spinnen, Mäuse und anderes unheimliches Getier…
    Die Dachkammer ein Ort für Abenteuer.

  2. Unterm Dach juchhe
    in der alten Kammer
    brütet selbstvergessen ganz relaxt
    eine Ammer
    Auf dunklem Holze sitzt ihr Nest
    ganz fest
    Vier Eier liegen Seit an Seit
    das ist warm und gescheit
    Sicher ist es dennoch nicht
    zeigt das Ende vom Gedicht
    Denn auf sammetweicher Tatze
    leise leise leise
    schleicht Frau Müllers Katze
    Was fürn Jammer mit der Ammer
    in der alten Kammer

    • Oha …. das ist es, was die Katzen lieben;
      wäre doch die Ammer bloß im Rohr geblieben….

      ein wenig Tragik empfand ich schon, aber ich habe schließlich Katzen als Mitbewohner, liebe Corinna. ;o)

  3. _unruhe says:

    die Kellerfische und die Dachbodenvögel
    plauderpressten mich
    in die Gegenwart zusammen

    die Füße Millimetergeräusche
    die Kopfwindung singt
    stellte ich mich umgekehrt

  4. sobald sich ein zeitloch
    auftat in ihrem tristen alltag
    stieg die arme poetin
    hoch in ihre dachkammer
    setzte sich unter die luke
    und schrieb und schrieb
    und träumte sich
    in eine andere Welt

  5. Bei der Tante

    Alles – Garten, Haus und Keller –
    war mir unverschlossen.
    Verboten nur die Stiege
    nach oben –
    das hat mich schon verdrossen.
    Doch eines Kindes Neugier –
    Zu dumm, es knarrte jede Stufe.
    Ich hörte schon die Tanten-Rufe:
    Was machst du dort?
    Komm wieder runter,
    und zwar sofort!

    Es war der Glückstag meines
    Kinderlebens, als mir gelang,
    was sonst vergebens:
    Die Tante, ganz in Wäsche
    aufgegangen,
    denn auf die Leine,
    gehörte alles Feine
    mit Sorgfalt aufgehangen.
    Sie schüttelte und klammerte
    und ich war außer Sicht.
    Schnell, schnell die Stiege
    rauf und dann – was für ein Glück –
    die Türe, sie war nicht verschlossen.
    Ich öffnete sie Stück um Stück,
    und sah hinein ins Dämmerlicht.
    Die dünnen Sonnenstrahlen spielten
    und Staub nahm mir vorerst die Sicht.
    Doch nach und nach erkannte ich die Plätze,
    besetzt mit Kästen, Truhen, Fässern voller Schätze.
    In ihnen alte Kleider, alte Bücher, Bilder;
    Spielzeug lang vergessen,
    alt und blechern Werbeschilder.
    Mich zog die große Truhe in den Bann.
    Der Deckel war nur schwer zu heben;
    darinnen eine braune Uniform – ganz ohne Leben.
    Ich lüpfte einen Ärmel und war vor Schreck gebannt –
    was aus dem Ärmel fiel, war eine Knochenhand.

  6. Nastassja Kinski
    zwischen Plüsch
    und toten, leeren Bienenleibern
    im Sommer Holzgeruch
    und feiner Staub
    die Reste einer
    einstmals stolzen Eisenbahn
    Konten
    handgeschrieben
    aus einer fernen
    fremden Welt

  7. sandrastrazzi says:

    Dachkammer

    Der Ofen geht bald aus
    ich komme nicht drum rum
    ich muss zu dieser Maus
    (die spukt im Dachstock rum!)

    Das würde ja noch gehen
    noch hast du nicht gesehen
    wie ich im Argen liege
    mit dieser steilen Stiege!

    Wie komm ich da bloss runter
    mit Scheiten bis zur Schulter
    und dann noch Licht ausmachen
    da kann es schon mal krachen!

  8. Hina Artemon (@HArtemon) says:

    die enge der kammer
    zieht hinaus aufs dach
    wo junge katzen alte träume streuen

    planeten lassen
    erinnerungen erstrahlen
    und ziehen wortkaskaden an

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