#frapalymo 23nov16: wald

an manchen tagen brennt kein licht
der wald liegt dunkel duster
der mensch allein das zimmer kalt
an der wand ein kreuz

der wald liegt dunkel duster
vogelfrei kein schrei der nacht
an der wand ein kreuz
der schaukelstuhl er schaukelt noch

vogelfrei kein schrei der nacht
die monde abgewandt
der schaukelstuhl er schaukelt noch
die fußspur führt hinaus

die monde abgewandt
an manchen tagen brennt kein licht
die fußspur führt hinaus
der mensch allein das zimmer kalt

 

das ist gedicht no. 23 von frau paulchen für den #frapalymo, und der impuls lautete „schreibt ein grünes pantun“.

30 tage, 30 gedichte, no excuses: wer beim #frapalymo mitmachen mag, kann dies entweder für sich tun und die impulse für die eigene schreibstube nutzen. oder im unten stehenden kommentarfeld seinen blog/webseite verlinken. oder das gedicht selbst über das kommentarfeld hochladen. oder auch einfach sonst einen kommentar hinterlassen. ähnlich über twitter mit link und kennung #frapalymo und @fraupaulchen

51 thoughts on “#frapalymo 23nov16: wald

  1. Matthias Doellert says:

    Das Grün des Blätterdachs trotzt dem Regen
    Mein Blick verweilt im Laub der Bäume
    Blätter die sich im Wind bewegen
    Die Augen entdecken neue Räume

    Mein Blick verweilt im Laub der Bäume
    Eichhörnchen vertreiben sich die Zeit
    Die Augen entdecken neue Räume
    Kein einzger Mensch – weit und breit

    Eichhörnchen vertreiben sich die Zeit
    Ein ständiges Auf und Ab
    Kein einzger Mensch weit und breit
    Träume wie ich sie gern hab

    Ein ständiges Auf und Ab
    Blätter die sich im Wind bewegen
    Träume wie ich sie gern hab
    Das Grün des Blätterdachs trotzt dem Regen

    • Gerda Steger says:

      Hallo Matthias, das lyrische Grün deines Blätterdachs mit dem Reichtum an Gedanken und Bildern tiefem Empfindens sind so einladend schön, so stimmig alles in Wort und Klang! Und so leichtfüßig auch die Zeilen in gereimter Form: Chapeau!

  2. Gerda Steger says:

    lichtfragmente

    duftrufe in der luft
    winter.weiß alles spiel der reflexe:
    die süßblühenden gefühlsblüten,
    die herzgrünenden glühen

    winter.weiß alles spiel der reflexe,
    weihnachtsvorfreude in bildern,
    die herzgrünenden glühen,
    die gedanken aus farbe und licht

    weihnachtsvorfreude in bildern,
    der grünende traum der zweisamkeit,
    die gedanken aus farbe und licht
    und musik atmender stille

    der grünende traum der zweisamkeit,
    die süßblühenden gefühlsblüten
    und musik atmender stille:
    duftrufe in der luft!

  3. Gerda Steger says:

    Liebe Sophie, dein Pantun ist so traurig schön komponiert. Eine wehmütige Stimme der Seele erreicht den Leser, sie geht mir unter die Haut. Ein Quell tiefen Empfindens!

  4. Ganz schön schwer, liebe Sophie. Dennoch: Bangemachen gilt nicht, hier ist also mein „Pantun“, ein bisschen grün.

    Weit spannt des Regenbogens Brücke;
    wenn Sonnenlicht sich wieder zeigt,
    verliert der Mensch für kurze Zeit die Tücke,
    er ist der Lebensfreude eher zugeneigt.

    Wenn Sonnenlicht sich wieder zeigt,
    liegt Hoffnung in noch grünen Zweigen,
    mein Herz, vorher so laut, es schweigt,
    es lauscht dem Spiel der Himmelsgeigen.

    Liegt Hoffnung in noch grünen Zweigen,
    wird dann der Herbst ein liebevoller sein,
    ich freue mich auf seinen bunten Reigen,
    die fallenden Blätter, den schweren Wein.

    Wird dann der Herbst ein liebevoller sein,
    verliert der Mensch für kurze Zeit die Tücke,
    die fallenden Blätter, den schweren Wein.
    Weit spannt des Regenbogens Brücke.

    • Stephanie says:

      Ein schöner reigen , liebe Margret , der mich daran denken läßt, daß in einem monat die tage wieder länger werden u in der erde die vorbereitung für den frühling sich zu regen beginnt !

  5. Ich bin doch nicht farbenblind
    Du sagst Blau
    Aber deine Augen sind Moorseen
    von schwarzen Wimpern umschlungen

    Du sagst Blau
    Ich sehe Dunkelgrün
    von schwarzen Wimpern umschlungen
    tauche ich hinein

    Ich sehe Dunkelgrün
    unendlich tief
    tauche ich hinein
    Ich lerne schwimmen darin

    Unendlich tief
    Deine Augen sind Moorseen
    Ich lerne schwimmen darin
    Ich bin doch nicht farbenblind

  6. grünzeug

    die phrasen rasen in die welt
    die frösche quaken’s über’n teich
    der blätterwald hat’s nicht bestellt
    und robin macht die waisen reich

    die frösche quaken’s über’n teich
    die raupen laben sich am kohl
    und robin macht die waisen reich
    die hoffnung stimmt sie alle froh

    die raupen laben sich am kohl
    die ampel schaltet um auf gehen
    die hoffnung stimmt sie alle froh
    in der smaragdbucht zu vergehen

    die ampel schaltet um auf gehen
    die phrasen rasen in die welt
    in der smaragdbucht zu vergehen
    der blätterwald hat’s nicht bestellt

  7. Walfischkadaver in lichtloser Tiefe
    Oase am Meeresgrund für begrenzte Zeit
    schamhaft erzählen verschollene Briefe
    von heimlicher Angst – für dunkle Stille bereit

    Oase am Meeresgrund für begrenzte Zeit
    bleiche Knochen, zart bedeckt mit feinem Sand
    von heimlicher Angst – für dunkle Stille bereit
    erzählen Gesänge aus blaugrünem Land

    bleiche Knochen, zart bedeckt mit feinem Sand
    bedächtige Wesen, leichenweißen Federn gleich
    erzählen Gesänge aus blaugrünem Land
    wähnen sich sicher im tiefen, verborgenen Reich

    bedächtige Wesen, leichenweißen Federn gleich
    wiegen sich ruhig, scheinbar geborgen
    wähnen sich sicher im tiefen, verborgenen Reich
    und ahnen noch nichts von ihrem letzten Morgen

  8. philosophina says:

    Meiner Zeit etwas vorraus, hier schon etwas Nachweihnachtliches:

    Die Tanne duftet dunkelgrün in der Nacht
    Das Harz klebt noch immer an meinen Fingern
    Ist es vorbei mit der weihnachtlichen Pracht?
    Das Dunkelgrün verlässt langsam die Zimmer

    Das Harz klebt noch immer an meinen Fingern
    Der Duft von Selbstgebackenem fliegt vorbei
    Das Dunkelgrün verlässt langsam die Zimmer
    Ein letzter Schluck vom glühenden Wein

    Der Duft von Selbstgebackenem fliegt vorbei
    Die Dosen leer, das Papier zerrissen
    Ein letzter Schluck vom glühenden Wein
    Bevor wir den Schmuck wegräumen müssen

    Die Dosen leer, das Papier zerrissen
    Die Tanne duftet dunkelgrün in der Nacht
    Bevor wir den Schmuck wegräumen müssen
    ist es vorbei mit der weihnachtlichen Pracht

  9. Hina Artemon (@HArtemon) says:

    nur das licht lockt das leben
    die gedanken wandern zurück
    hier kann es kein blühen geben
    um passion gehts, nicht um glück

    die gedanken wandern zurück
    gelbe blätter geworfen aus dem grün
    um passion gehts, nicht um glück
    die gedanken werden kühn

    gelbe blätter geworfen aus dem grün
    hier kann es kein blühen geben
    die gedanken werden kühn
    nur das licht lockt das leben

  10. Stephanie says:

    So , das war schwierig heute…und jetzt ist es bißchen banal geworden , ich schreibs trotzdem (Hausaufgabe und so…)

    Badewanne

    Ich wollte ihn eigentlich selber binden
    einen grünen kranz mit tanne
    wollte efeu und beeren drumwinden
    stattdessen lag ich in der wanne.

    Einen grünen kranz mit tanne
    noch schöner wie der vom letzten jahr
    stattdessen lag ich in der wanne
    verwöhnte genüsslich körper und haar.

    Noch schöner wie der vom letzten jahr
    ich wollte ihn eigentlich selber binden
    verwöhnte genüsslich körper und haar
    wollte efeu und beeren drumbinden.

  11. Ich nochmal. Der Form-Farb-Trilogie-Impuls hat nun bei mir etwas freigesetzt, was mir schon länger am Herzen lag: eine moderne lyrische Minnesang-Aneignung… ich hoffe, Ihr habt nichts gegen Mittelhochdeutsch 🙂 (keine Angst, ich gebe Hilfestellung).
    Danke, liebe Sophie, für diese drei inspirierenden Impulse.

    (1) https://lyrifant.wordpress.com/2016/11/23/trilogie-minnesangs-farben-gruen/
    (2) https://lyrifant.wordpress.com/2016/11/23/trilogie-minnesangs-farben-rot/
    (3) https://lyrifant.wordpress.com/2016/11/23/trilogie-minnesangs-farben-blau/

  12. wenn er mich grünauge nannte
    in momenten der nähe
    spürte ich seine liebe
    an die ich so fest glaubte

    in momenten der nähe
    fühlte ich die hoffnung
    an die ich so fest glaubte
    wider alle vernunft

    fühlte ich die hoffnung
    war meine seele glücklich
    wider alle vernunft
    die vorahnung verdrängend

    war meine seele glücklich
    spürte ich seine liebe
    die vorahnung verdrängend
    wenn er mich grünauge nannte

  13. Esther Ackermann says:

    Ich freue mich auf eure grünen Pantuns. Selber stehe ich vor einem Umzug auf Monatsende und stecke bis zum Hals in Allem-Möglichen. (Sophie kann sich vielleicht ausmalen, wieviele Bücher mit wollen…) Darf ich euch trotzdem erzählen, worüber ich geschrieben hätte?
    Ein Bild aus Peking wird mit mir umziehen, ein Original. Kirschblüten, dicker Zweig, vor Vollmond. Ich liebe es über alles. Es hat einen grünspan-silbernen Rahmen und einen grauen Passepartout, der im Innenschnitt den Grünspan wieder aufnimmt.
    Es ist der perfekte Rahmen. In jenem Geschäft bediente und beriet mich eine Asiatin. Das Rahmengeschäft gibt es längst nicht mehr. Ich wollte, ich könnte dieser Frau auf Knien des Herzens danken für diese ausserordentliche Harmonie zwischen Bild und Rahmen, an der ich mich tagtäglich freue.
    Ein Pantun vielleicht später mal….

    • liebe esther, in der tat kann ich erahnen, was dieser umzug bedeutet. ich wünsche dir viel kraft und freue mich, dass du dennoch zeit findest, hier mitzulesen und zu schreiben. ein wunderschönes bild hast du uns hier überreicht. da muss unbedingt zu gegebener zeit ein text dazu. klingt nach einem seelenwandbild 🙂
      lg. sophie

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