Türchen #24: Christmette

Es ist die
Stille Nacht
Heilige Nacht.
Die Nacht,
in der
alles schläft,
einsam wacht.
Und darin ein Schein,
ein Singen,
Ein Leuchten.
Jesus und Maria!
Wo ist der Josef?
Wo ist der Josef?
Holder Knabe im lockigen Haar.
Ein Amen und ein Halleluja.
(Sog i.)
Und der Zug reist durch Betlehem
Töff, töff.
Kommt an, klopfet an.
Wer klopfet an?
Zwei gar arme Leut.
Auf der Suche,
immer auf der Suche sein.
Doch was findet ihr?
Eine Herberge heut.

Türchen #23: Lametta

Glitzernder
Regen fällt
vom Baum herab.
Tropft nicht, pfützelt nicht.
Begeistert.

(Elfchen)

(P.s.: Ich bin mir nicht sicher, ob es das Verb pfützeln gibt, vermutlich nicht, dabei wäre es so schön und sinnbildlich. Aber in der lyrischen Sprache sollte auch immer Raum für Neuerungen und Wortkreationen sein, wie ich finde...)

Türchen #22: Geschenkpapier

Knisternde Glücksmomente
Umhüllen, verstecken, verschleiern
Verzögern die Freude
Für den Augenblick. Für dich.

(Vierzeiler, Anmerkung: Habe neulich in der Federwelt von einem Lyriker gelesen, der in letzter Zeit nur noch Vierzeiler dichtet. Das fand ich großartig und dachte, ich probier es selbst mal aus und presse meine Gedanken statt in Haikus oder Elfchen heute mal in diese Form.)

Türchen #20: Vom Himmel hoch

„Aber Engel gibt es doch gar nicht.“
Der kleine Tim schaute seine Großmutter entrüstet an und stemmte dabei seine zu Fäusten geballten Hände in die Seiten.
„So, meinst du, kleiner Mann. Und woher weißt du das?“
„Von Paula.“
„Von Paula, soso. Nun, vielleicht weiß auch deine Freundin Paula nicht immer alles so genau. Denn Engel gibt es sehr wohl. Glaub mir.“
Der kleine Tim schaute seine Großmutter weiterhin sehr ernst an, aber man konnte sehen, dass er sich auf einmal nicht mehr so sicher war.

Türchen #19: Adventssonntage

Es ist der letzte Sonntag heute vor dem großen Fest. Das letzte Mal inne halten, den noch unberührten Docht zum Erleuchten bringen, vielleicht auch noch ein Gedicht aufsagen. Das, was wir so lange erwartet haben, ist nah. Wir können bereits den Tannenduft riechen, der durchs Haus ziehen wird. Die Kugeln und Sterne erahnen wir am Baum blitzen und strahlen. Wir sehen das Licht im Dunkel, das Leuchten in tiefer Nacht. Bald, bald ist es soweit. Seht, bereits die vierte Kerze brennt. Stopp!!! st das nicht des Idyll zuviel?

Türchen #16: Stall

Das Heu sagt zum Stroh: Bald ist es wieder soweit.
Was meinst du, fragt das Stroh zurück.
Na, erwidert das Heu, das ganze Jahr werden wir nicht beachtet, auf uns wird herum getrampelt, wir werden lästig aus Wollpullis gezogen und achtlos weggeworfen, aber nie wieder bekommen wir diese Aufmerksamkeit wie zu Weihnachten.
Hm, grummelt das Stroh. Ich weiß nicht. Wenn mich sonst keiner beachtet, warum soll ich mich über dieses eine Mal so sehr freuen?
Aber, so das Heu ganz energisch, das ist doch unsere Chance, ganz groß herauszukommen!

Türchen #15: Mandelkern

In den Kernen liegt die Kraft, heißt es, nicht wahr?! Ein Mandelkern bietet die Möglichkeit, dass daraus etwas Großes entsteht – ein neuer Baum, das Herz eines Weihnachtsplätzchens oder vielleicht auch nur die geschmackliche oder augenscheinliche Verzierung von Speisen. Egal, was wir daraus machen. Das Geheimnis liegt im Kern. Und ebenso liegt unser Geheimnis in unserem Kern, in unserem Innersten. Jeder Mensch trägt seinen ganz persönlichen Mandelkern in sich und kann daraus Großes entstehen lassen. Wenn wir nur wollen. Wenn wir nur wollen.