Nachdichtung: „rêve pour l’hiver“ von Rimbaud

Für das Monatsgedicht von Unternehmen Lyrik hatte ich eine Nachdichtung von Rimbauds „rêve pour l’hiver“ eingereicht. Gewonnen hat Johanna mit einem französischen Volkslied – herzlichen Glückwunsch! Ich wollte euch meinen Beitrag zu den Monatsgedichten aber nicht vorenthalten, deshalb stelle ich ihn euch in den Post. Bei diesen Übersetzungen oder Nachdichtungen ist ja immer die Frage, wie eng bleibt man am Text. Bei einer klassischen Übersetzung sicherlich so nah wie möglich, eine Nachdichtung darf in meinen Augen ausbrechen, andere Wege in der anderen Sprache finden. Deshalb habe ich mich getraut, diese Grenzen der eigentlichen Bedeutung der Wörter zu sprengen. Nicht zu nah am Text haften zu bleiben. Und ja, auch die 14 Zeilen, das Sonett, habe ich dabei im Deutschen nicht eingehalten. Für mich ist das die Arbeit an einem Text: eine Anlehnung an das Original, das nicht sucht, exakt zu übersetzen, sondern Sinn, Gefühl, Leidenschaft zu übertragen. Aber lest nun selbst und macht euch einen Eindruck davon.  (Und danke nochmals an @Reticulum auch für den Vorschlag, dieses Gedicht von Rimbaud zu nehmen. Merci!)

Rêve pour l’hiver

L’hiver, nous irons dans un petit wagon rose
Avec des coussins bleus.
Nous serons bien. Un nid de baisers fous repose
Dans chaque coin moelleux.

Tu fermeras l’oeil, pour ne point voir, par la glace,
Grimacer les ombres des soirs,
Ces monstruosités hargneuses, populace
De démons noirs et de loups noirs.

Puis tu te sentiras la joue égratignée…
Un petit baiser, comme une folle araignée,
Te courra par le cou…

Et tu me diras: „Cherche!“ en inclinant la tête,
Et nous prendrons du temps à trouver cette bête
Qui voyage beaucoup…

(Arthur Rimbaud)

winter traum winter

winter blau die kissen fahren wir
in einer kutsche rosarot
uns geht es gut gut
küsse nisten sich in jeder ecke
ein ein warmes bett der liebe

schließ die augen mach sie zu die schatten
der nacht müssen dich du sie nicht
hereingrinsen sehen sie beißen
und werden selbst von dunklen dämonen
schwarzen wölfen gejagt

rauh meine wange spürst du
einen kuss sein mein netz dir
über den hals spinnen…zart

sagst du mir such such suchen
wir nehmen uns zeit wie weit
wir uns in uns verfangen

@sophie paulchen in anlehnung an arthur rimbaud

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