im winter weint die erde (übersetzung und nachdichtung)

im winter weint die erde

im winter weint die erde
die sonne kaltblass zart
erhebt sich spät legt sich früh
des miteinanders müde

brüchige idyllen
sonne! liebe! ein versuch!
deine rosen, erde, wo?
deine strahlen, sterne, wo?

alles ist ihr vorwand: hagel wind
schwarze wolken weiße
es ist nacht, meine schöne,
sagt sie erschafft sie im gehen

wie eine liebende
die tag für tag ihr herz zurückzieht
nicht weiß was sie sagen soll
so früh wie möglich
geht

#kuso17: andrucken

sonntag ist immer der erste richtige lange tag des kunstsommers. es ist ein langsamtag für mich. ein einfühlen. in die gruppe die thematik die prozesse. ein einhören auch. in begrifflichkeiten in fachsprech in mich.

der tag startet mit dem morgenimpuls. er ist angebot für alle, pflicht für mich. ich mag ihn nicht missen. diese viertel stunde in der klosterkirche als wegbereiter in den tag. am sonntag mit bassklarinette und auf tonspuren.

mit der meisterklasse der druckgrafik bin ich nach textile art vergangenes jahr ein weiteres wagnis eingegangen. nach wie vor versuche ich, meine texte in eine andere textur zu bekommen und ihnen neben der les-, hör- und spürbaren schicht eine weitere „wahrnehmbare“ schicht hinzuzufügen. read more

der schnee mann (nach wallace stevens)

mit dem gedanken an winter
den frost betrachten und das beugen
schneeverkrusteter pinienwälder

und der kälte seit langem
den wacholder eisbepelzt bestaunen
fichten rauh im fernen glitzer

der januarsonne
an kein leid denken im wind klang
weniger blätter klang
des landes des selben windes klang
der in diesen brachen
weht

der der
zuhört, im schnee,
nichts sich selbst ist, hört nichts
das nicht da und das nichts
das ist

(c) sophie paulchen. übersetzung, nach- und verdichtung von „the snow man“ von wallace stevens read more

#frapalymo 27mai15: einsam

wenn die nacht durch die straßen zieht
von schiefen dächern tropft

spielen meine gedanken

in blauen chinesischen gärten
vor heidnischen tempeln
zwischen geriffelten säulen in weiß

sie tanzen mit gelbvioletten krokussen im haar
ihre füße benetzt durch tauperlen im gras

wie leicht meine gedanken

wenn menschen die lichter gelöscht
die stadt still

lachen sie

#frapalymo impuls 27mai15

die letzten fünf impulse, ihr lieben! wie schnell dieser mai geflogen ist! für das #frapalymo gedicht no 27 wage ich mich etwas hinaus und hoffe, dass ihr mitgeht, und euch dieser impuls ebenso viel spaß macht wie mir. es geht um übersetzungen!

und so lautet der impuls für den 27. mai: „übersetzt, verdichtet, nachdichtet ein gedicht“. es geht bei dieser art übersetzung nicht um eine klassische literarische übersetzung, sondern um ein beschäftigen mit sprache, bilder, wörter. basis ist ein fremdsprachiges gedicht eurer wahl. ihr könnt dabei eine sprache oder auch einen dialekt wählen. ihr könnt wählen, ob ihr die sprache beherrscht oder nicht – ihr seid komplett offen in eurer wahl. wenn ihr die sprache sprecht, ist die herausforderung, das eigene hineinzubringen in die nachdichtung. wenn ihr die sprache nicht sprecht, geht es vermutlich mehr um klang und assoziationen. hauptsache, ihr verkrampft euch nicht und habt spaß daran und lasst einen ganz eigenen text entstehen. (und gebt bitte an, welchen ausgangstext ihr gewählt habt, damit wir anderen die gleiche freude beim nachlesen wie ihr beim nachdichten haben.) read more

nachdichtung: auf der suche nach der verlorenen zeit

eine übersetzung ist eine übersetzung, eine nachdichtung eine nachdichtung, mitunter aber bleibt von einem fremdsprachigen text nur noch der hauch einer ahnung... eigentlich wollte ich viel enger an prousts passage von un amour de swann aus à la recherche du temps perdu bleiben. aber die wörter wollten sich dann doch ganz anders reihen und zusammenstellen. so sind sie auf ihre art nun freunde geworden... fein. eine nachdichtung muss ja auch nicht immer eine nachdichtung bleiben - oder so...

nachdichtung von rimbaud: sensation

empfindung
an blauen sommerabenden begehe ich wege
an deren saum weizennähte und das grün unter mir

ich träumer, ich fühle die frische
an meinen beinen meinen kopf
lasse ich im wind baden

ich spreche nicht ich denke nicht
doch liebe ich fühle endlose liebe
meiner seele raum einnehmen

ich gehe weit sehr weit zigeunerweit
durch die natur, glücklich
wie mit einer frau

©sophie paulchen; nachdichtung von rimbauds "sensation"

übersetzung und nachdichtung eines gedichts von anna de noailles (1876-1933)

lang schwierig traurig war es
dir meine liebe zu offenbaren
meine stimme schwang empor
verweigerte sich
der stolz unterlag
verletzt

wie nur weiß ich wirklich nicht
habe ich dir meine liebe gestehen können
den schatten gefürchtet das erstaunen
deines auges schön wie die farben des tages
ich habe es dir gesagt

alles gesagt habe ich mich damit abgefunden

und doch
wie ein schwan
lege ich meinen kopf unter meine schwingen

Nachdichtung: „rêve pour l’hiver“ von Rimbaud

Für das Monatsgedicht von Unternehmen Lyrik hatte ich eine Nachdichtung von Rimbauds "rêve pour l'hiver" eingereicht. Gewonnen hat Johanna mit einem französischen Volkslied - herzlichen Glückwunsch! Ich wollte euch meinen Beitrag zu den Monatsgedichten aber nicht vorenthalten, deshalb stelle ich ihn euch in den Post. Bei diesen Übersetzungen oder Nachdichtungen ist ja immer die Frage, wie eng bleibt man am Text.