#frapalywo tag 2, text 2 – tiefsee/wasserwoche

nachtruhe

dort wo die nacht platz hat
mit ihrem kuriosenkabinett hält sie hof narrt den tag
und den mensch
grenzsetzung möglichkeiten mitunter
nachtwesenverirrung in menschliche fänge
(die künstliche linse mag ausreichen)
bestaunen beäugen
die anderen
als stete unbekannte
furcht
(ebenso zu lande)
besetzt die nacht den meerraum
(wo sollte sie auch anders hin)

 

das ist tag 2, text 2 der #frapalywo zum impuls „tiefsee“. hauptthema der woche lautet „wasser und weite“. welchen tiefgang habt ihr wohl gewählt…?

7 tage, 7 texte, 1 thema: wer bei der #frapalywo mitmachen mag, kann dies entweder für sich tun und die impulse für die eigene schreibstube nutzen. oder im unten stehenden kommentarfeld seinen blog/webseite verlinken. oder das gedicht selbst über das kommentarfeld hochladen. oder auch einfach sonst einen kommentar hinterlassen. ähnlich über twitter mit link und kennung #frapalywo und @fraupaulchen

54 thoughts on “#frapalywo tag 2, text 2 – tiefsee/wasserwoche

  1. Rona Duwe says:

    #frapalywo
    Tag 2

    Tiefsee

    Hier unten,
    wo alles dunkel ist,
    das tiefste Dunkelblau,
    fast Schwarz,
    hier lagen wir
    uns in den Armen.

    Ich lass dich los.

    Du steigst,
    es ist nicht aufzuhalten.
    es zieht nach oben
    auseinander
    fort.

    Es bleiben Luftblasen
    auf deinem Weg nach oben.

    Ich schaue zu.
    Fast unberührt.
    Ich seh den fernen Schein der Sonne.
    Dort oben
    irgendwo
    bist du.

  2. unergründlich diese tiefe
    das terrain verwunschenen wollens und
    abgebrochener zacken
    wo meerjungfrauen sich schimmernd tummeln
    und bunte fische salto springen zwischen algen
    soll ein ungehauer hausen
    wer’s glaubt –
    bleibt lieber oberflächlich

  3. von @gabrieldewinter ein limerick:

    Im See kreiste oftmals ein Schwimmer.
    Er fragte sich wirklich schon immer:
    Was ist dort am Grunde
    zu so früher Stunde,
    ein Hai – oder ist es noch schlimmer?

  4. Meernotizen says:

    Heimweh sucht nicht
    die Spiegelung an der Oberfläche.
    Vielmehr findet es sich
    in der klaren Tiefe des stillen Wassers.

  5. Gerda Steger says:

    Tiefseebild

    legt sich dieses Meeerblau auf
    meine Seelenwand Sinne sich verlieren
    irren im Wellengang blauender Rückblicke

    tiefer auch die Augen tauchen nach
    Morgenrotmuscheln klauben kämpfen
    entfesselte Gedanken mit tränendem Blau

    hörst dieses Tiefseebeben
    Seelenschluchten entlang dann
    formt sich der Schmerz
    in Gefühlsfieberfugen aus Licht

  6. Ich folge dem tanzenden Bündel
    aus Sonnenstrahlen
    unter mir
    aus lautlos Blau
    wird lautlos Schwarz
    rieseln Gedanken wie Sand
    neben mir in die Tiefe
    kein Funkeln Erinnern
    Enttäuschungen bleiben
    zurück im lärmenden Oben
    wo ich nicht hingehöre
    kalt ist Geborgenheit hier
    schwerelos
    und samtdunkel die Stille

  7. von @sabbeled:

    Tief tauchen Gedanken
    bis zum Seelengrund.
    Wühlen dort im Schlick.
    Graue Wölkchen in dunklen Fluten.
    Erinnerungsfetzen im Planktongewitter.

    Fremde Formen
    im nachtschwarzen Wasser.
    Gleiten, berühren
    mit tastenden Fühlern.

    Weit entfernt von jedem Licht.

  8. yumami says:

    in der lichten dunkelheit
    entbirgt sich das geheimnis

    erblüht des lebens knospe
    losgelöst von zeit und raum

    auf dem meeresgrund
    wo es stiller als still ist
    heilt meine seele

  9. @Maremmafotos says:

    Tief der See Geheimnis birgt
    aus längst vergangner Zeit
    der Blick zurück
    Lava sucht sich ihren Weg
    sie spiegelt sich im Hier und Jetzt
    Angler stehen still am Rand

    • Upps! Der Text war mir verrutscht. Also hier noch einmal, damit er auch dem richtigen Gedicht zugeordnet wird:
      Die Muschel, die erzählt. Wer vermisst sie nicht aus Kindertagen? Selbst gesucht, gefunden und nie mehr hergegeben. Danke dafür, Dagmar.

  10. Der Graben

    Mystisch, nur geboren für die eignen Welten,
    Augenlos und lebend ohne Sonnenlicht,
    Ruhe, traumlos, tiefe Stille, aber kein Verzicht
    Im Graben, wo die anderen Gesetze gelten.

    Aber doch ist buntes Leben gar nicht selten;
    Nur gewohnt sind wir es wahrlich nicht,
    Es erscheint uns – haben wir die Sicht –
    Neu und schaurig schön in dunklen Kälten.

    Gierig schlingen Riesenhaie Artgenossen,
    Rare Kraken, Fische mit ganz bunten Flossen.
    Aber Mensch, versuche die Götter nicht.

    Begehre auch nimmer und nimmer zu schauen.
    Es sollte
    gnädig bedeckt sein mit Nacht und Grauen,
    Nur sichtbar – vielleicht – beim Jüngsten Gericht.

    (Der Ordnung halber: kursiv ist entlehnt von Schillers „Der Taucher“).

  11. Andrea says:

    bodenfresser

    meeresgrund
    dort unten
    leben geschundene
    kreaturen

    im dunkeln
    schnappen münder
    nach luft

    wer nahrung braucht
    nagt walknochen
    oder wartet auf
    opfer von oben

    die see ist so tief
    so finster in mir
    lauern schatten

    darum tauche ich nie
    in den abgrund

  12. yumami says:

    habe noch ein Betthupferl-Haiku
    für euch liebe frapalyWoisten 🙂
    ***

    wind wellen und meer
    tiefste sehnsucht wird gestillt
    ich singe vor glück

  13. elbée says:

    raumschiff

    das netz hat viele maschen
    verknotungen
    in denen sich der zufall verfängt :

    verschlungene seepferdchen
    die in den meeresengen
    über seesterne reiten

    ein nachthimmel liegt am boden der ozeane
    doch wir fliegen lieber
    ins all

  14. Hina Artemon (@HArtemon) says:

    seetiefe

    ich muss tiefer hinab
    erst am boden sind lichter
    das sternenlicht bleibt zurück
    darf nicht loslassen
    schon erahntes nicht verlieren
    muss eintauchen
    in zweidimensionale strukturen
    vielleicht das bild
    der letzten jahre zähmen

  15. tiefsee

    dort im Dunkeln
    zwischen den Strömungen
    wo das Echolot nach einer Nanosekunde Deinen Namen nennt
    dort hab ich ein Haus gebaut

    unsere Schuhe stehen schon vor der Tür

    und im Garten steht ein Kirschbaum ohne Befall

    aber durch das flache Dach bekommt das Sonar Ortungsprobleme

    dort im Dunkeln
    zwischen den Strömungen
    wo das Echolot nach einer Nanosekunde Deinen Namen nennt
    dort hab ich ein Haus gebaut

    Du hast es Dir nicht gewünscht

    wir wollten abends den Nordstern sehen

    dafür Tiefenmonster warten hinter der Rinne

    hier im Dunkeln
    zwischen den Strömungen
    wo das Echolot nach einer Nanosekunde Deinen Namen nennt
    dort hab ich uns ein Haus gebaut

    ich war jung und brauchte den Traum

    Du meintest 1070 bar seien Dir zu viel

    aber keine Angst, ich weck Dich nicht

    https://2kinderkuechebadbalkon.com/2018/08/08/tiefsee-frapalywo-tag-2/

  16. von @dandelionsawake:

    Eine Nixe, in Ketten gebunden
    in der tiefen, endlosen See,
    aus Herzeleid tränende Stunden,
    gequält in unendlichem Weh.

    Im Meer erbarmt sich Poseidon
    und löst die Fesseln entzwei.
    Der Unendliche kennt seine Wesen,
    und schafft alles neu, alles frei.

  17. von @katkaesk:

    I, I follow you
    Tiefsee, baby
    Fangzahnfischgefühle
    Kragenhaiemomente
    und an Hasselhoff-Krabben
    denken
    die wegen ihrer Brustbehaarung
    so heißen
    oh in the dark doom, baby
    wie einsam es
    am Meeresgrund wohl ist.

  18. von @gedankenpoesie:

    Blicke in die Menschen,
    Bis du drohst dich zu verlieren.
    Lass dich mitreißen von den Strömungen,
    Den Gezeiten ihrer Leben.
    Wo sich neue Welten ergeben,
    Völlig fremd & unbekannt.
    Denn nur wer sich wagt in diese Tiefsee,

    Findet Einblick, in tiefe Seelen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Zustimmung zur Datenspeicherung lt. DSGVO