Aus: Federwelt (April/Mai 2010)

Noch ein Fundstück (gell, es hat doch seinen Reiz, wenn es viel regnet, denn dann kommt man auch viel zum Lesen....). Dieses Fundstück stammt aus der April/Mai-Ausgabe von Federwelt. Und zwar geht es in diesem speziellen Artikel um die Aufstellung literarischer Figuren ähnlich der psychologisch angehauchten und viel diskutierten Familienaufstellung (die eine lieben sie, die anderen hassen sie). Was aber nun mit literarischer Aufstellung?

Aus: lauter niemand

In Bahnhofsbuchhandlungen stöbern hat einen großen Vorteil: Ich stoße auf Dinge, die ich haben will und von denen ich zuvor weder gewusst habe, dass sie existieren noch, dass ich sie benötige. So mit der "Berliner Zeitschrift für Lyrik und Prosa" namens lauter niemand. Erscheint wohl nur einmal pro Jahr, wenn ich das Editorial richtig überflogen habe, enthält aber sehr witzige und mitunter abstruse Texte.

Regen und the green

Die Briten sagen You can't have the green without the rain und schätzen das kühle Nass, das vom Himmel fällt. Die deutschen Bauern und Landwirte haben englische Vorfahren und freuen sich über die Nahrung für ihren Anbau. Die deutschen Touristen sind reinrassig und können nichts Gutes daran finden, wenn ein grauer Schleier das Motiv ihres nächsten Fotoalbums umhüllt. Warum the green wenn es in der Stadt doch eh nur graue Betonburgen gibt. Und macht dann der Regen noch was aus? Ist vielmehr incognito und grau vor grau. Aber der Himmel! schreien sie dann.

Inspiriert durch Mascha Kaléko: Gedicht über Ausweglosigkeit

Ich freu mich, dass am Himmel Wolken ziehen.
Denn sie ziehen vorbei.

Mein Weg endet
bevor er begann. Die Biegung
birgt
keine Überraschung
kein Neues,
kein
Abenteuer.
Ein überschaubarer
Streckenabschnitt.

Ich freu mich, dass der Fluss stromabwärts fließt.
Denn er fließt vorbei.

Schon ist’s,
als wär’ ich
nicht mehr hier.
Du brauchst mich nicht, ja klar.
Ich war
schließlich
nur die kurze Dauer
deines Ausatmens
dein.

Gedichte in Bildern

Heute habe ich einen Kleinstkunsthanderwerkermarkt besucht (ich weiß, kompliziertes Wort, ist aber nicht meine Erfindung, sondern heißt tatsächlich so). Das war ein netter, kleiner Markt mit vielen Künstlern und wunderbaren Ideen für Schmuck, Skulpturen, Mode, Taschen usw. Dort war auch eine Malerin, die ihre Bilder verkauft hat. Sie hat, und das fand ich eine sehr schöne und bewegende Idee, ein paar Gedichte in ihre Bilder einfließen lassen. Aber nicht offensichtlich, aufdrängend, sondern sehr versteckt und zart.

Wer Sprache liebt, liebt Sandor Marai

Sandor Marai ist einer meiner absoluten Lieblingsautoren. In "Himmel und Erde" greift er Betrachtungen, Ideen, Gedanken auf und stellt sie mit einer derartigen Sprachkraft dar, dass ich oft atemlos vor Faszination bin. Gestern habe ich wieder darin geblättert - ich schlage abends meist eine beliebige Seite auf und lese dann ein oder zwei Textchen, quasi als Belohnung für den zurückliegenden Tag - und ein echtes Prachtstück an Gedankengut entdeckt.