woanderswo
statt mauern fenster
geöffnete blicke die nase ins licht
wortlautegeräusche
im ich fremde
woanderswo
statt mauern fenster
geöffnete blicke die nase ins licht
wortlautegeräusche
im ich fremde
schön, dass ihr alle dabei seid, dass ihr euch den heimaten stellt und eurem zuhause. danke für einen so gelungen auftakt. ich freue mich immer so, wenn ich diese dichterwoche nicht nur für mich mache, sondern für und mit euch! danke!
„home is where the heart is“ ist ein bekanntes englisches zitat. passend zum digitalen zeitalter habe ich ein äquivalent gefunden: „home is where my computer is.“
heutzutage ist von digitalen nomaden die rede, virtuell stets verbunden, einander über die „matrix“ vertrauter als dem tatsächlichen nachbarn nebenan. jeder kennt jeden über sechs, sieben, acht ecken. die welt ist ein dorf, wir werden mobiler, kennen afrikas flüsse besser als die deutschen und suchen mehr die ent- als die verwurzelung. wie viel heimat wollen wir oder können wir überhaupt noch ertragen?
vier wände vier augen
hier lebe ich
sagt sie selbstgewollt in dieser stadt
die wände gelb innen
blass und pflanzen
sucht man vergebens
dafür den blick
links neben der tür auf elf uhr
das kreuz
in jedem zimmer
gewissheit
ein vieraugenprinzip
dort
hier
starre ich
mich alleine an
willkommen bei der vierten #frapalywo, frau paulchens lyrik woche! erneut heißt es: 7 tage, 7 texte, 1 thema. wir widmen uns ganz dem vielfach besetzten und mitunter schwerfällig anmutenden thema „so viele heimaten in mir“.
damit die heimatwoche abwechslungsreich bleibt, werde ich euch in den nächsten tagen verschiedene impulse zum thema geben. nicht immer muss heimat schwer, melancholisch, belastet daherkommen. vielleicht gibt es viel beschwingtes, lustiges und längst vergessenes zu entdecken! ich freue mich und bin zugleich sehr ehrfürchtig vor diesem thema.
zum vierten mal lade ich euch herzlich ein, gemeinsam eine woche der verdichtung zu gestalten, oder kurz gesagt: die nächste #frapalywo steht an! starttermin für das erste gedicht ist donnerstag, 1. februar (und damit rechtzeitig, bevor der karnevals- und jeckentrubel in der woche darauf einsetzt).
#frapalywo – das steht für frau paulchens lyrik woche und bedeutet 7 tage, 7 texte, 1 thema. die lyrikwoche ist eine art spin-of des #frapalymo. sie steht für sich selbst, lädt zum mitmachen ein und erlaubt dichten und verdichten, austausch und miteinander, lesen und denken. und sie ist themenspezifisch.
schunkelwärts
das phänomen einer seitwärtsbewegung
plötzliche
anmaßung heimeligkeit
die nähe zum nachbarn näher
gegenseitig
zugeständnis eines verständnisses eines erlebnisses
eines
miteinander im hin her fremddirigierter musik
(wenn man so sagen kann)
ein stimmungshoch hoch
aus der ferne
die entfremdung
das eigene ich
im phänomen der überraschung
das ist tag 6, text 6 der #frapalywo zum impuls „schunkeln“. hauptthema der woche lautet „bewegung“. auf eure phänomenalen schunkeltexte freue ich mich sehr!
da ein stück erde
bröckelbraun ein loch buddelmanie ohne
handschutz knietief mannsbreitig verfängt
sich land im inneren
hosenschlag heimat neue
auch nach jahren
werde ich mit namen begrüßt
man kennt die familie
die großeltern besser als ich dabei
beäugen sie mich als die die fort
gezogen das land geringschätzt ihm
fremd geworden mir fremd ist bemühen
sich auf hochdeutsch sie wissen
dass geändertes verständnis
geänderter sprache folgt
und sehen mich und sehen mich nicht
als die die einst maria zum
blumenaltar trug
jeder neuen heimat
der anblick einer kirche ist heimat geworden die stundentaktung herzschlagrhythmus leben von eins zwei drei zu vier wie hoch tief
wie ob überhaupt recht lang kurz stolz verschmäht die nacht
hindurch mit aller kraft für das besondere sind einige verstummt
des alterns selbst wohl müde horche ich auf jeden glockenschlag
jeder neuen heimat
brotheimat
vielleicht habe ich dich geknetet
mit den händen dich gehen sehen
im licht des ofens
ein sonntagmorgenduft
vielleicht habe ich dich gekauft
und den duft nach zuhause nach hause getragen
in der küche das knacken der kruste
ein ankern im brotkrumenmeer
vielleicht habe ich in die rinde
meinen namen geritzt
ein dich-finde-ich-wieder-
wenn-ich-verloren-gehe