liebe heißt amore
liebe beate, das wetter ist schön
der italiener auch auch
wenn ich ihn nicht verstehe
liebe heißt amore amaro heißt
bitter so ist das leben
bis bald in wuppertal schöne
grüße deine sabine
liebe heißt amore
liebe beate, das wetter ist schön
der italiener auch auch
wenn ich ihn nicht verstehe
liebe heißt amore amaro heißt
bitter so ist das leben
bis bald in wuppertal schöne
grüße deine sabine
ach, sind diese texte mit der gleichen anfangszeile nicht einfach zauberhaft…? ich finde das immer ein wunder, wie sich die texte anders darstellen, und doch prägt und begleitet so eine anfangszeile das schreiben anders, als wenn wir uns die erste zeile selbst aussuchen würden. danke für diese vielen schönen textegeschenke!
morgen und übermorgen gibt es den nächsten und letzten doppelimpuls des dichtermonats, und ich bin schon sehr gespannt, wie euch dieses doppel gefällt!
der impuls für das gedicht am 28. november des #frapalymo lautet: „schreibt ein postkartengedicht“.
das licht tags
du, weißt du, wie ein rabe schreit
und der wind heult
wenn das licht tags ausgeknipst
scheint als flüchtete es für ein weilchen
ein aufhören und beginnen
zu reden zu schweigen
selbst die alte standuhr steht still
und man schaut auf hinaus
aufs feld
sucht den horizont ab
nach einem beweis
und weiß es nicht
am nächsten tag liegt
die müllerin tot im bett
das dorf am brunnen
ratscht tratscht
sagt sich
man habe es gewusst
als man aufhörte und begann
zu reden zu schweigen
du, weißt du
als der rabe schrie
der wind heulte
ich dachte
du
ach, die centos….! immer ein vergnügen, denn die auswahl der unterschiedlichen zeilen und ihre reihenfolge ist doch jedes mal ein eigenes staunen. staunen werden wir auch morgen, bei unserem viertletzten impuls.
der impuls für das gedicht am 27. november des #frapalymo lautet: „gleiche anfangszeile für alle – beginnt eure texte alle mit: „du, weißt du, wie ein rabe schreit“ – nach der anfangszeile des gedichts „du, weiß du“ von selma meerbaum-eisinger.
die erste anfangszeile „du, weißt du, wie ein rabe schreit“ ist für uns alle demnach gleich, und wir borgen ihn uns von selma meerbaum-eisinger. magisch wird sein, in welch unterschiedliche richtungen und stimmungen uns diese zeile bringen wird. jeder text wird eigen sein und doch eint uns diese erste zeile. einer meiner lieblingsimpulse beim #frapalymo!
das nichthaben
wenn das eine nicht (oder die wahrheit)
blicke ich zurück zur nacht
werde (wunder)
fernweh leergefegt
das brüchige
(leben ist eine überempfindlichkeitsreaktion)
zeitlupe aufschlag
am ende des flurs
ein land
(ist nie nur ein land)
wie sich dichtung je nach impulsvorgabe doch ändert, uns anders mit dem zarten, dem zerbrechlichem, dem politischen, dem aktuellen, dem vergangenen oder oder beschäftigen lässt.
so ein impuls wie an tag 25 braucht einen guten gegenpart, um anschließend auch wieder das leichte zu ermöglichen.
der impuls für das gedicht am 26. november des #frapalymo lautet: „schreibt ein cento“.
auch diese form hatten wir bereits des öfteren. ein cento ist ein flickengedicht, wobei die textzeilen jeweils aus unterschiedlichen texten stammen und in dem cento neu zusammengesetzt werden. das können textzeilen aus eigenen werken oder aus fremden federn sein. wenn ihr andere dichter nutzt, kennzeichnet die urheberschaft bitte entsprechend. auch dieses cento erlaubt ein wenig den sturm im eigenen dichten. voneinander völlig unabhängige textzeilen können in ihrer neuen zusammenfindung auch plötzlich eine ganz feine verwandtschaft aufbauen. oder auch nicht, und es bleibt ein wenig absurd und fremd. ich freue mich auf eure centos und sage zugleich: willkommen zu den letzten fünf impulsen dieses dichtermonats!
länderperspektive
ein land kann erinnerung sein ein ziel
beklebte seiten in reisenotizen
ein land kann leben sein eine herkunft
beklebte wände in hauchdünnen seelen
ein land kann zukunft sein ein leben
ein hoffen auf seiten und wände die beklebt werden können
ein land ist nie nur ein land
ein land sind wir
die geben die nehmen die
geben
ach, ich bin so gerne mit zu euren kindheitshelden gereist! schön, dass wir sie nochmals in unser leben und unsere dichtung gelassen haben.
morgen wird das dichten dichter, aktueller, politischer, gesellschaftskritischer – oder was auch immer ihr aus dem impuls macht.
der impuls für das gedicht am 25. november des #frapalymo lautet: „flucht und asyl“. ich danke @tauscher57 für die anregung! es ist ein sehr dichtes thema, das die menschheit vermutlich seit anbeginn begleitet und in wellen und je nach gebieten bedeutsamer, aktueller, schrecklicher, treibender wird. gründe für flucht, der umgang mit dem thema asyl, die darstellung beider in medien und in gesprächen…. letzten endes geht es immer um menschen und damit um das dichte per se. packen wir es also morgen in den dichtermonat – oder versuchen es zumindest.
hey
hey
große kleine freche starke
hey
was war dir nicht alles egal
und die welt so
wie du wolltest hey
einsame nicht einsame ehrliche
unehrliche hey
du
warst du und
keiner
kannte dich
besser als ich
große kleine freche starke
hey
wie schön so ein impuls über nacht und träume und himmel zum dichten und weiterdenken anregt!
mit dem nächsten impuls reisen wir zurück in die vergangenheit, in unsere eigene, in die kindheit. auch dort gab es reichlich anregungen, manche haben uns sehr geprägt, manche vielleicht hin und wieder nur sanft berührt. doch für den impuls an tag 24 dürft ihr tief in eurer kindheit graben.
der impuls für das gedicht am 24. november des #frapalymo lautet: „ehrt euren kindheitshelden, eure kindheitsheldin“.