#frapalywo tag 1, text 1 – anfangszeile/geborgte worte

es sind genug worte in diesem raum

heute nacht bin ich unten beim ballast*
ich muss schauen wie es ihm geht
ob er leidet

heute nacht leiste ich ihm gesellschaft
wo wir gemeinsam jeder für sich
einander bedingen
im dunkeln

wir schweigen

es sind genug worte in diesem raum
es bedarf keinen weiteren

wir lesen sie puttelgleich
ohne licht
gemeinsam jeder für sich

denken
an den weg und die zeit

heute nacht
morgen früh

bin ich weiter

*kursiv: geborgt von tomas tranströmer aus „nachtdienst“

#frapalywo geborgte worte-impuls für tag 1

willkommen bei der siebten #frapalywo – frau paulchens lyrik woche! erneut geht es um 7 tage, 7 texte, 1 thema. in den nächsten tagen widmen wir uns den eigenen worten mit den worten anderer, den worten anderer mit den eigenen worten, den worten.

wir wollen wörter, textzeilen, titel und vieles mehr borgen und sie in unser schreiben einbinden. ein kopieren ist es im wenigen. doch vielmehr soll es ein aufbruch zum anderen eigenen schreiben sein. indem wir uns beeinflussen lassen vom duktus, einem bild, einem rythmus. indem wir uns mit „borgungen“ anderer beschäftigen, beschäftigen wir uns mit der veränderung in unserem eigenen schreiben. read more

#frapalymo 27nov18: das licht tags

das licht tags

du, weißt du, wie ein rabe schreit
und der wind heult
wenn das licht tags ausgeknipst
scheint als flüchtete es für ein weilchen

ein aufhören und beginnen
zu reden zu schweigen
selbst die alte standuhr steht still
und man schaut auf hinaus
aufs feld

sucht den horizont ab
nach einem beweis
und weiß es nicht

am nächsten tag liegt
die müllerin tot im bett
das dorf am brunnen

ratscht tratscht
sagt sich
man habe es gewusst
als man aufhörte und begann
zu reden zu schweigen

du, weißt du
als der rabe schrie
der wind heulte
ich dachte
du read more

#frapalymo impuls 27nov18

ach, die centos….! immer ein vergnügen, denn die auswahl der unterschiedlichen zeilen und ihre reihenfolge ist doch jedes mal ein eigenes staunen. staunen werden wir auch morgen, bei unserem viertletzten impuls.

der impuls für das gedicht am 27. november des #frapalymo lautet: „gleiche anfangszeile für alle – beginnt eure texte alle mit: „du, weißt du, wie ein rabe schreit“ – nach der anfangszeile des gedichts „du, weiß du“ von selma meerbaum-eisinger.

die erste anfangszeile „du, weißt du, wie ein rabe schreit“ ist für uns alle demnach gleich, und wir borgen ihn uns von selma meerbaum-eisinger. magisch wird sein, in welch unterschiedliche richtungen und stimmungen uns diese zeile bringen wird. jeder text wird eigen sein und doch eint uns diese erste zeile. einer meiner lieblingsimpulse beim #frapalymo! read more

#frapalymo 1nov17: zahlenspiel

zahlenspiel

ich zähle die regentropfen an den zweigen*
einen nach dem anderen summieren sie ziehe sie
vom leben ab und berechne eine quersumme

was ergibt sich aus momenten plus enttäuschungen
aus augenblicken mal vergangenem aus
kalenderblättern minus der liebe

ein paar zahlen vielleicht ein meer
an regentropfen die astweise
hinabrinnen

ich
höre das zählen auf
stelle eimer hin

#frapalymo impuls 1nov17

da sind wir wieder oder vielleicht zum ersten mal. da haben wir uns wieder eingestellt zu einem dichten november, der uns fordern und begeistern, beanspruchen und beherzen wird, der uns kraft kostet und kraft gibt. da geht es heute also los. nun.

30 tage, 30 gedichte, no excuses. dieses motto ist anspruch und antrieb zugleich und eine einladung an alle zum mitlesen, mitschreiben, mitwirken. denn diese welt braucht poetisten und frapalymoisten!

wer es nochmals schwarz auf weiß braucht: #frapalymo steht für: frau paulchens lyrik monat. diesen gibt es 2017 zum zwölften mal. einiges hat sich dabei für mich und für euch bewährt, und trotzdem bleibt der monat spannend für uns alle, denn immer wieder eröffnen sich neue impulse, und altgeliebte impulse zeigen neue seiten. read more

#frapalymo19mai16: hier im wald

ein wald im mai. hier spukt mein ganzes leben.*
ich sehe hinter jedem baum auch ast die fratzigen
gestalten. fühle sie in meinen gedanken
wie zeckenbisse am bein. ignorant. zu anfangs. sie
juken kratzen hirnhautentzündung werden. im alles-zu-spät. so
schön ist das nicht das grüne farn das
dunkle moos der schmetterling im lost place paradise.
so düster mehr. so tief. verloren. die seelensuche
der gespensterjagd gewichen. mein leben. so.
hier im wald. mai.

#frapalymo impuls 19mai16

was für tolle texte ihr wieder geschrieben habt! hach. und wie schön, dass ihr euch auf die sehr krassen brüche zwischen katzen und hunden und der inneren müdigkeit einlasst. danke!

der impuls für morgen nimmt uns wieder mit zu einem meiner lieblingsdichter: tomas tranströmer. und so lautet der #frapalymo impuls für den 19. mai: „alle die gleiche anfangszeile: „ein wald im mai. hier spukt mein ganzes leben.“ ja, richtig gelesen: bei unseren texten morgen wollen wir alle mit derselben zeile aus tomas tranströmers gedicht „alkäisch“ beginnen und dann weiterdichten. für die wiederholungs-#frapalymoisten unter euch wird der impuls nicht neu sein. und doch ist er immer wieder schön, da immer wieder anders. beeindruckend wird sein, wie die exakt gleiche anfangszeile uns in unterschiedliche richtungen führen wird. viel vergnügen! read more