über den letzten tag muss ich eigentlich nicht viele worte verlieren. es ist die nacht, die zählt. wie so häufig. der kunstsommer findet seinen abschluss in ansprachen, im gläserklirren, in wortfetzen, in fotomotiven, in ausstellungsstücken, in bewunderung, in auftritten, in lesungen, im hof, zwischen den zeilen, in gesichtern, in sich schließenden klostertoren.
kunstsommer: gedrucktes und geschichtetes
der erste tag, der sich den regenmantel angelegt hat. für uns lyriker ist das nicht so entscheidend, aber die graffiti-künstler können nicht weiterarbeiten. zeitdruck. zeitdruck, der nun spürbar wird, da es um die vorbereitung der kunstsommernacht geht. es läuft das kribbeln und schwirren durch räume. die teilnehmer des textile arts-kurses haben schon einige abende bis mitternacht gearbeitet, den tänzern ist ihr eigenes bett fremd geworden, nur bei der schreibenden zunft scheinen sich die zeiten nicht verschoben zu haben.
kunstsommer: verstofflicht und raumeinnehmend
in der zweiten hälfte des kunstsommers spüre ich immer ein deutliches anziehen. beim tempo einiger meisterklassen, bei der müdigkeit, bei zwischentönen, beim zusammengehörigkeitsgefühl. es geht in die zielgerade. langsam aber sicher.
kunstsommer: subtraktion und vergänglichkeit
halbzeit im kunstsommer. die zeit, die wir noch gedacht massig hatten, zeigt uns ihre grenzen. es ist ein rhythmus in die woche gekommen, in die gruppe. um zwölf hat man jetzt hunger. weil dann eben mittagspause ist. so einfach ist das manchmal.
kunstsommer: natur körper naturkörper
der tag im meisterkurs beginnt mit einer ganz wunderbaren aufgabe: wir haben eindrücke gesammelt, die wir vorlesen und anschließend mit einem gegenüber tauschen. mit diesem fremdmaterial sollen wir ein gedicht schreiben. was für ein schönes geschenk, bilder und notizen von anderen zu bekommen und damit arbeiten zu dürfen. es entstehen großartige texte, die, so bin ich mir sicher, keiner von uns von sich aus mit nur eigenem material geschrieben hätte. eine sehr gute übung, die sich auch mit einem online-gegenüber wiederholen lässt. ideen reifen.
kunstsommer: geschwätzige farbe und verstörtes reisen
die sonne geht auf und es beginnt heute bereits tag III des kunstsommers. auch wenn wir die zeit in unseren händen halten, verrinnt sie schnell, womöglich noch schneller. als luxus wird diese viele zeit von den teilnehmern empfunden. sich acht tage lang auf seine liebste beschäftigung einlassen, farben stehen lassen, fotografien erarbeiten, an worten feilen zu können, ist ein schatz. ein abseits des sonstigen.
kunstsommer: das wenige. schätzen. und mehr werden.
sich auf den kunstsommer in irsee einzulassen bedeutet, klein zu werden. zu erkennen, wie wenig man ist und weiß und kann. das große bestaunen und in diesem bestaunen sich nicht zu verlieren, sondern eben gerade halt finden. aus der tiefe schöpfen, weil die gewissheit bestärkt daliegt: dass es diese tiefe gibt und man selbst noch so viel mehr werden kann. wachsen. wachsen und mehr werden.
angekommen. irsee. kunstsommer.
nun bin ich also hier, wo ich im vergangenen jahr war. irsee. kunstsommer. erneut eine hermetische geschlossenheit nichtreligiösen klösterlichen lebens. wie der akademieleiter bei der eröffnung gestern erklärte. worte, die widerhallen vom vergangenen jahr. sich im ohr in diesem jahr verändert haben. durch das wissen der erfahrung und der hoffnung der erwartung. da sind bereits bekannte gesichter aus der vergessenheit in die erinnerung gefallen. ein erstes austauschen. vor allem ein freuen auf die vielfalt der meisterkurse. und das gespannte ich, das sich in den eigenen meisterkurs sehnt.
kunstsommerfieber
es prickelt: das kunstsommerfieber geht wieder um. am samstag ist es soweit, und ich starte gen süden. genauer gesagt: nach irsee. eine woche lyrisches vergnügen, kreative inspiration, kunstübergreifendes schauen und einatmen sowie viel viel herzgenestertes wortwerken.
bruchstaben
bruchstaben
ein paar linien durch
gezogen
auf papier
hinterlässt
ein druck landschaften
gebrochene
spracheinsamkeit
wäre ich
ein buchstabe ein m
in der zeit der stille
duftete nach
vanille
[dieses gedicht entstand aus dem impuls zweier tweets von mir: "in der zeit der stille ein m sein" / "und welcher buchstabe wärt ihr gern?" - eine frage, die mich weiter begleiten wird]