das monatsgedicht im januar geht an oliver füglister mit seinem "unstille" - herzlichen glückwunsch! thema waren film- und kinogedichte. mit meinem war ich von anfang an nicht vollauf zufrieden: eine diva, die ihren eigenen kopf hatte. ich denke, dieses gedicht darf weiter ruhen und reifen, bis es sich dann eines tages einer überarbeitung hingibt, divenhaft...
raunacht 13 – ein ende ein anfang
die letzte raunacht liegt hinter mir. ein ende. ein anfang. für das neue jahr. es waren 13 erstaunliche, bewegende, ergreifende, gelungene, anzweifelnde, erkenntnisreiche nächte. ein weg liegt vor mir.
das leben und so
jetzt und immer das leben
sag ich ja im licht
er glanz er strahlt
macht sich ein
wir auf den weg schon
wartet der sommer auf uns
und die blätter rauschen
aus der
tiefe sehn
sucht sie die liebe.
raunacht 12 – mein lied
wie schon in anderen raunächten ist nicht alles aus meinem poetischen tagebuch für eure augen und ohren bestimmt. manches bleibt einfach bei mir. so wie heute mein lied, das ich nur für mich singe. aber.... ich will euch dafür ein gedicht schenken, das ganz ähnlich einem persönlichen lied ist und "ich wünsche dir" heißt. bittesehr:
raunacht 11 – unsere ahnen wir
heimatklänge
ich bin viele
töne die sich in
schichten stapeln lagern
dunkel in kellern
die obstholzkisten rau
reifen
im winter
wärmt apfelmus
unsere mägen.
raunacht 10 – wurzeln und wachstum
was darunter liegt
ein punkt zunächst ein strich
auch nur eindimensional in
blau beginne ich
am unteren rand der leinwand
die große fläche eine weite
liegt vor mir viel
versprechend ohne wiederkehr
war ich je mutig genug für
weitere farben einen kreis einmal
bemalt lässt sie sich
nur mit weiß komplett
auslöschen das
darunter bleibt
raunacht 9 – mein geheimnis
ihr lieben: nicht alles, was in der raunacht gedacht und geschrieben wird, ist für die öffentlichkeit bestimmt. darum heißt es ja auch poetisches tagebuch. heute zum beispiel gibt es "nur" ein paar überlegungen zum neuen jahr, damit ihr wisst, was euch auf meinem blog 2012 erwarten kann. das ergebnis der achten raunacht hingegen bleibt ganz bei mir...
raunacht 8 – glatt der stein
dieses folgende gedicht hat vermutlich noch am meisten den status eines unfertigen raunacht-gedichts und darf hier dennoch stehen und mich weiter beschäftigen: in gedanken, auf papier, in den stillen eines tages, einer nacht, auf dem weg.
im gesicht ein gegangener weg
schlagen sich kerben im gesicht falten
tief furchen im alter ein leben lächeln
als kompass
lebenslinien in gold
am himmelshorizont richtungen
vier an der zahl den weg kennen wir
nicht immer
gehen ihn
doch
was liegt darauf
raunacht 7 – sommersinne
sommersinne
werde ich die kirschen pflücken vom baum
die leiter aus holz unter den füßen
blinzelt mir die sonne ins gesicht
und der geschmack des sommers auf der zunge
die leiter aus holz unter den füßen
kühl und rau das material
auf der zunge der geschmack des sommers
kirschkernweitspucken im gras
kühl und rau das material
hält die hand fest die ernte
im gras kirschkernweitspucken
jazz liegt sehnsüchtig in der luft
hält die hand fest die ernte
in jeder frucht ein wunsch
raunacht 6 – schweben (ein haiku)
schweben
in der balance fliegt
die wildente ihr ruf hallt
am boden liegt tau
raunacht 5 – dankbarkeit
ich dir du mir
zugeständnis des morgens muse
stunden für dich fliegen
gedanken landen auf papier
mit stolzer konsequenz
dir raum und wort verschaffen
in meinzeit gezähmt